Zimmerwirtin

 

Die Roten Männlein

Einst hausten im Wald zwischen Derendingen und Kreßbach mehrere kleine Erdgeister, die die Leute im Dorf entweder nach dem Flurnamen „Köhlerhau“-Männlein nannten oder Rote Männlein, da sie feuerrote Gewänder und Zipfelmützen trugen. Diesen Zwergen konnte man tagsüber und auch nachts im Wald begegnen. Es war aber den Dorfbewohnern lieber, ihnen überhaupt nicht zu begegnen. Denn es kam ihnen vor, dass es recht böswillige Wesen waren. Sie führten Wanderer in die Irre, erschreckten die Beerensammlerinnen und machten auch vor den Holzarbeitern nicht halt.

Sie beschränkten sich auch nicht darauf, die Leute im Wald zu beunruhigen und ihnen Streiche zu spielen, nein – sie kamen sogar ins Dorf und tauchten überall auf, wenn man sie am wenigsten erwartete. Es schien ihnen ausgesprochen Freude zu bereiten, wenn sie jemanden so recht erschrecken konnten. So kam zum Beispiel einmal ein Pferdeknecht zu Tode, der gerade zwischen zwei Ackergäulen stand, um sie zu füttern, als die roten Kerle die Pferde so erschreckten, dass sie den Knecht zwischen sich erdrückten. Oder einmal, beim Hanfbrechen, schlüpfte plötzlich einer aus der Hanfdarre und schnitt eine Fratze, sodass alles schrie und auseinanderstob.

Die Roten Männlein konnten sich auch in Tiere verwandeln, in Hunde oder Katzen zum Beispiel, die dann Menschen anfielen oder zum Stolpern brachten.

Und dann kamen sie nicht mehr. Niemand weiß, wohin sie verschwunden sind. Es vermisste sie aber auch niemand.