Zimmerwirtin

Gute-Nacht-Geschichte

 

Hausversicherung gegen Hexen

Ein Tübinger Bürger konnte keine rote Kuh gesund im Stalle behalten. Schon nach wenigen Wochen magerte sie jedesmal so ab, dass er sie so schnell als möglich zu jedem gebotenen Preis verkaufen musste, wenn er sie nicht ganz verlieren wollte. Sobald die Kuh aber aus dem Stall war, erholte sie sich jedesmal vollständig und unverzüglich.
Da ließ endlich der Mann seinen Stall auf 70 Jahre gegen Hexerei versichern. Und das ging so:

Ein Hexenbanner, also ein Mann, der sich auf dergleichen verstand, vergrub unter Murmeln von allerlei Sprüchen einen Hund, der geschlossene Augen haben musste, unter der Türschwelle des Stalles und bedeckte die Stelle mit einem Brett. Außerdem wurde ein beschriebenes Blatt Papier im Stall befestigt. (Was wohl darauf geschrieben gewesen sein mag?) Sodann riet der Hexenbanner seinem Kunden, vorsichtshalber nur noch ganz schwarze Kühe zu nehmen und dazu auch einen schwarzen Ziegenbock zu halten, dessen Geruch den Hexen (und nicht nur ihnen) zuwider sei. Der Hausherr befolgte den Rat. Und seither geht’s.

(Nach: Sigrid Früh, Verzauberte Westalb, Silberburg-Verlag 2007)

Was auf dem Papier geschrieben stand, wird in der Geschichte nicht erzählt. Wahrscheinlich ist es das gewesen, was wir heute „das Kleingedruckte“ nennen, was man nicht zur Kenntnis nimmt oder erst, wenn man darüber stolpert. Magie ist schon immer und noch heute Teil des Versicherungswesens, wenn auch die Form sich verändert hat.