Heilpflanzen

 

Eibe
Botanischer Name: Taxus baccata L.

Taxus baccata  L.

Die Eibe ist ein Nadelbaum, der ausgesprochen selten geworden ist. Fünf größere Vorkommen gibt es in Deutschland, den Eibenwald am Hainberg (Landkreis Göttingen), den Eibenwald bei Paterzell (Landkreis Weilheim Obb.), das Naturschutzgebiet Ibengarten („Eibengarten“) im Wartburgkreis, das Waldreservat Wasserberg bei Gößweinstein (Fränkische Alb) und das Naturschutzgebiet Lengenberg im Kreis Eichsfeld. In Baden-Württemberg findet sich das größte Vorkommen im Höllental, ungefähr 150 Bäume. Es gibt dort einen Ort Ibental, der seinen Namen von der Eibe ableitet.
Dass es so gekommen ist, dass man die Eibenwälder buchstäblich an einer Hand herzählen kann, liegt an den Eigenschaften des Eibenholzes: Es eignet sich hervorragend zur Herstellung von Waffen. Wenn es um Waffen geht, hat Mann offenbar auch in alter Zeit auf Rücksichten verzichtet. Schon der Neandertaler hatte eine Lanze aus Eibenholz. Ötzi besaß einen Bogen daraus, und die Langbögen des Mittelalters waren ebenfalls alle aus dem Holz dieses Baumes gemacht. 1568 musste Herzog Albrecht gegenüber dem Rat der Stadt Nürnberg zugeben, dass Bayern über keine schlagfähigen Eiben mehr verfüge.

Taxus baccata  L.

Heute gibt es wieder 500jährige Eiben, z.B. am Hainberg, auch in Großbitannien. Dort gibt es auch einige wirklich uralte Exemplare wie dieses in Schottland.

Die Eibe wächst sehr langsam. Sie wird 10 bis 20 Jahre alt, bis ihr Rehe und Rotwild nichts mehr anhaben können. Ihre Geschlechtsreife erreicht sie mit 15 bis 30 Jahren, unter ungünstigen Bedingungen kann sie dafür auch 100 Jahre brauchen. Sie ist zweihäusig getrenntgeschlechtlich; seltene Exemplare tragen auch Blüten beider Geschlechter. Im Alter von etwa 90 Jahren beendet sie ihr Höhenwachstum. Danach wächst sie nur noch in die Breite. Sie vermehrt sich durch Samen, die von Vögeln verbreitet werden, durch die Bewurzelung von Ästen, die den Boden berühren und Wurzelschösslinge. Das Wurzelsystem macht die Eibe anpassungsfähig und ermöglicht es ihr, auch bei vollständigem Kronenverlust wieder neu auszuschlagen. Darum kann sie sehr alt werden, mehr als tausend Jahre.

Taxus baccata  L.

Was hat so ein uraltes Wesen gesehen und erlebt?
Die Botanik und Ökologie der Eibe sind sehr ungewöhnlich und komplex. Es würde zu weit führen, sie hier zu erläutern. Aber dass die Eibe giftig ist, führt uns zu ihrer Verwendung in der Heilkunde. Doch zuvor noch sei erwähnt, dass einzig die fleischige Fruchthülle ungiftig ist, damit die Vögel sie unbeschadet fressen können. Den giftigen Samen scheiden sie unverdaut wieder aus.

Welch unglaubliche Weisheit drückt sich da aus?
Die Eibe enthält u.a. Taxane, die zytostatisch wirken und in der Onkologie verwendet wurden. Heute werden diese Wirkstoffe im Labor nachgebaut, da sonst die verbliebenen Eiben auch noch dran glauben müssten. Aber die ursprüngliche Quelle zeigt sich noch in den Namen der Medikamente, z.B. Taxol oder Taxotere.

Für Pferde, Kühe und Menschen ist – wie gesagt – die Eibe giftig. Bitte verzichten Sie auf diesbezügliche Experimente! Die Fruchthülle ist lecker, aber wir sollten sie den Vögeln lassen!

Eiben finden sich in Gärten und Parkanlagen, besonders häufig aber auf Friedhöfen. Sie haben etwas Düsteres an sich, und alte Eiben sind außerordentlich ehrfurchtgebietend. Unter einer Eibe zu schlafen, kann zu sonderbaren Erfahrungen führen, was mit ihren Ausdünstungen zu tun hat. Die Eiben sind Pforten zur Anderswelt, konfrontieren mit dem Übergang, den wir Tod nennen. Bei Ovid in den Metamorphosen finden sich die Zeilen:

»Abwärts senkt sich der Weg,
von trauernden Eiben umdüstert,
Führt er durch Schweigen stumm
zu den unterirdischen Sitzen.«

Überall auf der Welt finden wir Eiben im Zusammenhang mit dem Tod, auf Friedhöfen. Aber auch als Baum des anderen Übergangs, in das Leben hinein durch das Tor der Geburt, wurde die Eibe angesehen und war darum den Göttinnen der Geburt wie Artemis und Hekate heilig. Diese Zweigesichtigkeit hängt mit den Lebens- und Fortpflanzungszyklen des Baumes zusammen. Artefakte aus Eibenholz finden sich überall, in allen Kulturen, im alten Irland wie in China und Japan, Schnitzereien, Götter- und Heiligenfiguren, Musikinstrumente. Die ältesten Holzflöten sind aus Eibenholz.

Es gibt ein wunderbares Buch über die Eibe: »Die Eibe in neuem Licht« von Fred Hageneder. Wenn Sie die Welt dieser Bäume erkunden möchten, so lege ich Ihnen das wärmstens ans Herz.