Heilpraktikerin

Heilpflanzen

 

Beifuß
Botanischer Name: Artemisia vulgaris L.

Der botanische Name huldigt der Göttin Artemis, der unversehrten, keuschen Mondgötting, der Geburtshelferin, Beschützerin der Jungfrauen und Kriegerinnen, Göttin der Jagd und Herrin der Tiere. Der Name Beifuß weist darauf hin, dass das Kraut früher am Fußgelenk oder im Schuh getragen wurde, um beim Wandern Ermüdung hinauszuzögern oder vor Tierbissen, besonders Schlangenbissen geschützt zu sein.

Artemisia vulgaris L.

Weitere Namen sind Johannisgürtel, Jungfernkraut, Gänsekraut, Besenkraut, Dianakraut, Wilder Wermut, Valentinskraut, Mugwurz usw. All diese Namen lassen auf traditionelle Verwendungen schließen. Gänsekraut – das Kraut wird zum Würzen fetter Speisen, besonders von Gänsebraten verwendet, weil es die Verdauung erleichtert. Johannisgürtel – zur Sommersonnenwende machte man sich Gürtel daraus und sprang so gegürtet durchs Feuer. Kranke warfen ihren Johannisgürtel ins Sonnwendfeuer in der Hoffnung, so ihre Krankheit im Feuer zu verbrennen. Beifuß ist eine ausdauernde Staude aus der Familie der Korbblütler. Er vermehrt sich durch Samen (Lichtkeimer!), kann in Kultur aber auch durch Stecklinge oder Wurzelteilung vermehrt werden. Die Staude wird bis zu 2 m hoch, die straff aufrechten Stängel sind kaum behaart, rötlich-violett gefärbt. Die Blätter sind stark zerteilt, gefiedert, umso feiner, je höher am Stängel sie sitzen. Oberseits sind sie dunkelgrün, unterseits behaart und daher silbrig-weiß. Die endständigen Blütenrispen bestehen aus unzähligen winzigen Röhrenblüten, weißlich-grau, gelblich oder rötlich-braun. Sie blühen von Juli bis September.

Beifuß ist in ganz Europa und Asien heimisch, außer in heißen Gebieten, und in Nordamerika eingebürgert. Er ist eine Ruderalpflanze, d.h. er siedelt auf Schuttplätzen, Bahndämmen und ähnlichen häufig verseuchten Standorten. So wie er mit dem schwierigen Milieu zurechtkommt, auf dem er wächst, so ist er auch in der Lage, ein aus dem Gleichgewicht geratenes Milieu im menschlichen Körper wieder ins Lot zu bringen.

Beifußblätter werden bei zunehmendem Mond um Johanni gesammelt, bevor die Blüten erscheinen, also im Juni. Zum Räuchern werden die Knospen im Juli gesammelt und die Wurzel bei abnehmendem Mond im November gegraben.

Artemisia vulgaris L.

Nach der alten Signaturenlehre kann man den Beifuß als dem Mond zugehörig bezeichnen wegen der silbrig-weißen Blattunterseite und weil Artemis eine Mondgöttin ist. Der rote Stängel weist auf Mars und der Standort an Wegrändern und Bahngeleisen auf Merkur. Paracelsus unterstellt die Pflanze aber der Venus, weil sie so vielfältig in der Frauenheilkunde einsetzbar ist.

Beifuß enthält ätherisches Öl, Bitterstoffe, Inulin, Harz, Gerbstoffe und verschiedene Vitamine.

Beifuß ist eine uralte Heil- und Schamanenpflanze, in der Alten wie in der Neuen Welt. Sie öffnet alle Reinigungs- und Entgiftungswege, treibt Harn und Schweiß, fördert die Verdauung, bringt das Menstruationsblut ins Fließen, regt den Eisprung an, verhindert vorzeitige Wehen, fördert die Nachgeburt. Man kann sie aber auch verwenden, um abzutreiben – also Vorsicht mit der Dosierung in der Schwangerschaft! Beifuß zu verräuchern vertreibt Dämonen, sorgt für Schutz – z.B. während der Geburt, euphorisiert und stimuliert. Mit den getrockneten Blättern lässt sich ein Schlafkissen füllen – zusammen mit anderen schlaffördernden Kräutern. Das Kraut wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin zur Moxibustion verwendet – ein Verfahren, dass sich inzwischen weltweit verbreitet hat. Dabei werden kleine Kegel oder »Zigarren« aus Kräutern über Akupunktur-Punkten abgebrannt. Ein Absud oder eine Tinktur aus der Wurzel gilt als Heilmittel gegen Epilepsie.

Der Name Mugwurz ist eine altgermanische Bezeichnung. Sie findet sich noch im angelsächsischen Neun-Kräuter-Segen (Nine-Herbs-Charm), einem Text aus Kräuterbeschwörung, Spruch und Rezeptur aus dem 9. oder 10. Jahrhundert. Beifuß ist das erste Kraut, das angerufen wird.

In modernem Englisch klingt das so:

Remember, Mugwort, what you made known,
What you arranged at the great proclamation.
You were called Una, the oldest of herbs,
You have power against three and against thirty,
You have power against poison and against infection,
You have power against the loathsome foe roving through the land.

Erinnere dich, Beifuß, was du verkündet hast,
Was du bekräftigt hast bei der großen Proklamation.
Una wurdest du genannt, das älteste der Kräuter.
Du hast Macht gegen drei und gegen dreißig,
Du hast Macht gegen Gift und gegen Ansteckung,
Du hast Macht gegen den verhassten Feind, der über das Land fährt.