Heilpflanzen

 

Althaea officinalis (Köhler)

Echter Eibisch
Botanischer Name: Althaea officinalis L.

Der kalendarische Herbst hat begonnen, die Sommerhitze ist abgeflaut. Die ersten kalten Nächte haben dafür gesorgt, dass auch die erste Erkältungswelle über uns hinweg rollt. Und weil ich gerade ein Gartenbeet umgegraben und Eibischwurzeln geerntet habe, dachte ich daran, den Eibisch vorzustellen. Denn er ist u.a. ein gutes Mittel gegen Husten und darum in Erkältungszeiten von Bedeutung.

Bevor ich mich mit der Pflanze selbst beschäftige, möchte ich einen Blick auf ihre Namen werfen, die selbst schon sehr interessant sind.

Der Name Eibisch geht zurück auf das mittelhochdeutsche ibesche, althochdeutsch ibisca, vom lateinischen (h)ibiscum, das seinerseits wiederum aus dem Keltischen stammt. Wir kennen das Wort Hibiskus als Sammelbezeichnung für verschiedene Malvengattungen. Der botanische Name Althaea kommt aus dem Griechischen, von dem Verb althein, was übersetzt heilen bedeutet. Der Name der Pflanzenfamilie, zu der der Echte Eibisch gehört, die Malven, kommt von lat. malva, griech. maláche. Also die ganze europäische Kulturgeschichte in einer Pflanzenbezeichnung.

Althaea officinalis — Flora Batava — Volume v4

Dann gibt es noch verschiedene volkstümliche Namen wie Schleimwurzel, Weiße Malve, Sumpfmalve, Heilwurz, Hustenkraut, Hilfswurz, Adewurz oder Samtpappel.

Die vielen Namen auf –wurz weisen darauf hin, dass hauptsächlich die Wurzel verwendet wird. Sie enthält reichlich Saponine (Schleimstoffe), die die Schleimhäute mit einer Schutzschicht überziehen, und ist also in Erkältungszeiten ein wirksames Vorbeugungsmittel. Ich habe noch gelernt, dass die kleingeschnittenen Wurzeln (2 TL auf ¼ Liter) mit kaltem Wasser angesetzt, über Nacht stehen gelassen und dann nur leicht erwärmt getrunken werden. Inzwischen heißt es aber, der heiße Aufguss sei genauso wirksam. Und nicht nur zur Verbeugung: Auch bei trockenem Reizhusten wirkt der Eibisch gut.

Tee aus Blättern und Blüten ist hilfreich bei Erkrankungen der Harnwege, bei Weißfluss und zu viel Magensäure sowie Reizungen im Magen-Darm-Trakt.

Die getrockneten Wurzeln kann man pulverisieren und mit einem Eiklar verrühren und erhält eine straffende, pflegende Gesichtsmaske.

Der Echte Eibisch ist bei uns nicht heimisch. Er stammt aus der Gegend um das Kaspische Meer. Er ist aber leicht im Garten zu ziehen und sehr dekorativ. Er braucht etwas feuchten Gartenboden und einen sonnigen Standort. Er wird ungefähr einen Meter hoch und benötigt bei Sturm oder nach Regen eine Stütze. Die Wurzelstöcke kann man im Frühjahr oder Herbst teilen. Eibisch blüht von Juli bis September. Er enthält Saponine, Gerbstoffe, Asparagin, Stärke, ätherisches Öl, Pektin, Rohrzucker und Mineralien.

Eibisch ist eine Sonnenpflanze und gehört zu den Kräutern, die in den Kräuterbuschen gehören, der am 15. August geweiht wurde, am Tag der Himmelfahrt Mariens. Die Marienverehrung dient als Deckmantel, unter dem die Verbindung mit uraltem Brauchtum sich bis in unsere Zeit erhalten konnte.