Heilpflanzen

 

Schlehdorn
Botanischer Name: Prunus spinosa (L.) – Familie der Rosengewächse

Schlehdorn

Der Schlehdorn, auch Schwarzdorn, Hagedorn oder Heckendorn, ist in ganz Europa, Vorderasien bis zum Kaukasus und in Nordafrika zu Hause. Auch in Nordamerika und Neuseeland ist er eingebürgert. In unserer Region wächst er verbreitet in Hecken, zusammen mit Berberitzen, Haselsträuchern, Heckenrosen und Weißdorn, Pfaffenhütchen und Hartriegel. Der Schlehdorn vermehrt sich durch Samen und Wurzelausläufer und kann dichte Bestände bilden. Seine Seitentriebe stehen fast rechtwinklig von den Zweigen ab und enden in Dornen, sodass eine Schlehenhecke ein undurchdringliches Gestrüpp werden kann, das Schutz und Nahrung bietet für allerhand Kleintiere und Vögel. Der Strauch kann 40 Jahre alt und bis zu 3m hoch werden, unter Umständen auch als niedriger, mehrstämmiger Baum wachsen.

Schlehe1

Im Gegensatz zum Weißdorn blüht der Schwarzdorn, bevor die Blätter erscheinen. Das reine Weiß der Blüten und das Schwarz der Zweige und Äste bilden dann einen starken Kontrast. Ab Ende März zeigen sich die Hecken in weiße Blütenwolken gehüllt.

Die blauschwarzen Früchte, die bereift sind wie die Zwetschgen und auch aussehen wie kleine Zwetschgen, reifen im September und Oktober. Sie enthalten 10 % Gerbstoffe, was sie sehr herb macht. Darum werden sie meist erst nach der ersten Frostnacht (die sich freilich in der Gefriertruhe imitieren lässt) geerntet. Dann sinkt der Gerbstoffgehalt auf die Hälfte.

Schlehen werden schon seit Jahrtausenden gegessen. In Sipplingen am Bodensee hat man in einer Schicht aus der Zeit um 3300 v.u.Z. durchbohrte Schlehenkerne gefunden, die womöglich als Kette getragen wurden.

Die Blüten werden im März und April gesammelt und als mildes Abführmittel verwendet. Der Tee ist auch für Kinder geeignet. Er regt außerdem die Tätigkeit des gesamten Stoffwechsels und besonders Blase und Nieren an. Die Früchte sind ein wunderbares Stärkungsmittel, das nach Grippe und anderen Infektionskrankheiten die Lebensgeister wieder weckt, z.B. in Form von Mus oder Saft. Will oder kann man ihn nicht selbst bereiten, so gibt es gute Fertigprodukte im Handel. Die Beeren helfen wegen des Gerbstoffgehaltes auch bei Durchfall und bei Zahnfleischentzündungen oder Zahnfleischbluten.
Wenn Sie gern die Früchte selbst sammeln wollen, so sollten Sie sich jetzt auf den Weg machen, ehe die Vögel alle geerntet haben. Auf der Schwäbischen Alb gibt es viele Schwarzdornhecken.

Als unsere Vorfahren sesshaft wurden und Ackerbau zu betreiben begannen, rodeten sie kleine Inseln im Wald, die sie für einige Zeit nutzten, um dann weiterzuziehen, wenn die Bodenfruchtbarkeit nachließ. Diese Rodungsinseln ließen sie von Dornenhecken umwachsen, um ihre Pflanzungen und sich selbst vor den Tieren des Waldes zu schützen. Die Hecken stellten also die Grenze dar zwischen Wildnis und Zivilisation, aber auch zwischen dem überschaubaren, dem Verstand zugänglichen Reich des Alltagsbewusstseins und der Anderswelt. Diesen Hecken verdanken wir den Begriff der Hexe, der „Hagazussa“, der Heckensitzerin, die hier wie da sich gleichermaßen zurechtfindet und hin und her wechseln kann. Die Heckensitzerin war die Schamanin der Gruppe. Sie wurde erst infolge der Christianisierung dämonisiert als böse Zauberin.