Heilpraktikerin

Heilpflanzen

 

Apfel
Botanischer Name: Malus domestica oder Malus communis

Malus domestica

Ich kann nicht anders: das Heilpflanzenporträt dieses Monats muss ich dem Apfel widmen, dieser herrlichen Frucht, die uns jetzt auf allen Obstwiesen der Gegend schier vom Baum geradewegs in den Mund fällt. Auch die Marktstände quellen über davon, in allen Farben von zartgelb über grasgrün bis tiefpurpurrot gibt es sie, die Schale glatt und glänzend oder rauh, gepunktet, gestreift oder geflammt. Das Fruchtfleisch kann grünlich, gelblich, weiß oder rosa sein, möglicherweise das Kernhaus im Schnitt purpurn markiert. Der Apfel bietet von säuerlich bis süß die verschiedensten Geschmacksvarianten, er kann leicht nach Wein schmecken oder eine Zimtnote haben – der „Jakob Fischer“-Apfel schmeckt und duftet wie die Balsaminen (Indisches Springkraut). Kurz: dieser Reichtum an Schönheit und Geschmack ist ein Geschenk von Mutter Erde, das wir gar nicht genug würdigen können, zumal der Apfel eben auch als Heilspeise von hohem Wert ist.

Also preisen wir ihn, den Apfelbaum, Malus domestica oder Malus communis aus der Familie der Rosengewächse!
Der Kulturapfelbaum liebt feuchten, nährstoffreichen, lockeren, tiefgründigen Boden, mag einen wärmeren Standort, gedeiht jedoch auch noch im Gebirge bis in Höhen um 900 m, wie sein wilder Verwandter. Der Apfelbaum blüht je nach Sorte und Standort von April bis Juni. Er trägt noch nicht am einjährigen Holz. Seine Früchte sind erntereif zwischen Ende Juli und November. Manche Sorten brauchen dann noch eine Zeit der Nachreife im Lager. Am Apfel kann man sehr gut beobachten, dass auch die Frucht, die längst vom Baum getrennt ist, lebt. Der Apfel hat weiterhin einen Stoffwechsel, durch den sein Geschmack im Laufe der Lagerzeit sich deutlich verändert. Manche Sorten können sich ja unter günstigen Bedingungen bis in den Mai des Folgejahres halten. Die Fruchtsäuren sind dann allerdings weitgehend abgebaut, weshalb die Äpfel dann meist nur mehr süß und fade schmecken.

100 g Apfel-Fruchtfleisch haben folgende Nährstoff-Werte:

Malus domestica

Brennwert 217 – 228 kJ
Wasser 85 g
Eiweiß 0,3 g
Kohlenhydrate 11,4 g, davon Zucker 10,3 g
Ballaststofffe 1 g (darunter hauptsächlich Pektin)
Fett 0,4 g
Vitamin C 12 mg
Kalzium 7 mg
Magnesium 6 mg
Kalium 144 mg
sowie Eisen und Phosphor, organische Säuren und Gerbstoffe
Dazu kommen jede Menge sog. sekundärer Pflanzenstoffe: Flavonoide, Polyphenole usw. Das sind Stoffe, die der Apfelbaum produziert, um seine Früchte vor Fressfeinden, vor zu intensiver Sonneneinstrahlung und vor Infektionen zu schützen. Deshalb findet man diese Stoffe in Äpfeln aus Streuobstwiesen in der höchsten Konzentration. Apfelbäume, die in Plantagen wachsen, können sich diese Mühe sparen, da der Obstbauer sich um ihre Gesundheit kümmert. Das gilt in geringerem Maße sogar von Apfelbäumen aus biologischem Anbau. Studien haben gezeigt, dass Äpfel aus Streuobstanbau oft sogar von Apfel-Allergikern vertragen werden, da sie die Inhaltsstoffe in der von der Natur vorgesehenen Mischung enthalten und nicht einzelne fehlen. In diesem Zusammenhang ist auch von außerordentlicher Bedeutung, ob die Äpfel bis zur Reife am Baum bleiben durften oder vor der Zeit gepflückt wurden. Manche Inhaltsstoffe bilden sich erst in den allerletzten Reifetagen. Und vergessen Sie nicht: Ein wenig Schorf oder vernarbte kleine Wunden von einem leichten Hagel oder Testessen durch einen Vogel mindert den Wert eines Apfels nicht. Im Gegenteil sind diese „Mängel“ ein Beweis für extensiven Obstbau und höchste Dichte an wertvollen Inhaltsstoffen.

Der Apfel ist natürlich zu allererst zum Reinbeißen da, sprich: zum Frischverzehr. Bitte essen Sie die Schale und nach Möglichkeit auch das Kernhaus mit, denn da sind nämlich die meisten wertvollen Inhaltsstoffe versteckt. Dann ist natürlich der Apfel ungemein vielseitig in der Küche zu verwenden. Dazu gibt es viele verlockende Rezeptsammlungen (unter anderem eine von mir: Das Apfelbuch, Pala-Verlag). Ein ganzes Leben reicht nicht, um alles durchzuprobieren. Nicht nur Kuchen und Süßspeisen aus Äpfeln, sondern auch salzige Speisen von Brot bis Suppe gewinnen durch die Verwendung von Äpfeln. Das ist ein Feld für experimentierfreudige Köche und Köchinnen. Aber nun zum Apfel als Heilspeise.
Sie wissen sicher: „An apple a day keeps the doctor away.“ Die Verwendung von Äpfeln zu Heilzwecken ist schon im alten Babylon nachweisbar. Hildegard von Bingen hat dazu einiges aufgeschrieben. Zwar waren die Äpfel zu ihrer Zeit noch nicht so wohlschmeckend wie heute. Dafür war ihr Gehalt an Säuren und Gerbstoffen deutlich höher. Äpfel regulieren die Darmtätigkeit. Das ist vor allem auf das Pektin zurückzuführen, da es im Darm aufquillt und Giftstoffe, Bakterien und ihre Stoffwechselprodukte sowie andere schädliche Substanzen bindet, sodass sie ausgeschieden werden können. Pektin senkt außerdem den Cholesterinspiegel.
Je nach Zubereitung kann der Apfel gegen Durchfall ebenso helfen wie gegen Verstopfung. Bei Durchfall wird der Apfel gerieben, inclusive Schale und Kernhaus, und dreimal täglich gegessen, zwei bis vier Stück pro Portion, sonst nichts. Darüber hinaus gibt es Kräutertee.
Bratäpfel regen die Darmperistaltik an. Noch stärker wirkt der frische Apfelsüssmost. Jetzt können Sie ihn ja in manchen Geschäften oder bei den Mostereien bekommen. Versuchen Sie’s mal. Aber übertreiben Sie es nicht! Der Süßmost ist außerdem harntreibend und gut bei Gicht und Rheuma. In gleicher Weise, nur viel sanfter, wirkt ein Tee aus Apfelschalen, der auch beruhigend und fiebersenkend wirkt. Diese letzte Wirkung ist noch ausgeprägter bei Dörräpfeln.

Auch die Schönheit profitiert vom Apfel, nicht nur wegen der Reinigung von innen, sondern auch von außen. Reiben Sie zwei Äpfel zu Brei, vermengen Sie den Brei mit etwas Rosenwasser und 1 TL Honig, tragen Sie ihn als Gesichtsmaske auf und lassen Sie ihn 25 min wirken. Apfelessig, vermischt mit Wasser und Rosenwasser (im Verhältnis 1 : 2 : 1), ergibt auch ein gutes Gesichtswasser, z.B. bei Hautunreinheiten und Akne. Sie habe es schon gemerkt: Beim Apfel werde ich schwärmerisch. Ich treibe selbst eine Streuobstwiese um und bin überzeugt davon, dass es jede Mühe lohnt, die Streuobstwiesen zu erhalten. Wenn Sie können, tragen Sie Ihr Teil dazu bei, indem Sie Produkte aus Streuobst kaufen. In der Tübinger Gegend und überall in Württemberg gibt es dazu reichlich Angebote.

Es gibt übrigens seit 2010 sogar einen „Tag des deutschen Apfels“ – der 11. Januar. Die Zwetschge kann sich so einer Ehre nicht rühmen.
Also greifen Sie zu, lassen Sie sich’s schmecken – und:

Malus domestica
Wenn ich wüsste,
dass mogen die Welt untergeht,
würde ich heute noch
ein Apfelbäumchen pflanzen.

(Martin Luther zugeschrieben)