Heilpflanzen

 

Gemeiner Wacholder
Botanischer Name: Juniperus communis

Der Gemeine Wacholder, Foto: Cornelia Blume

Der Gemeine Wacholder, Juniperus communis, aus der Familie der Zypressengewächse hat viele volkstümliche Namen: Machandelbaum, Kranewittbaum, Reckholder, Räucherstrauch, Weihrauchstrauch, Feuerbaum usw. Er ist, wenn man seine nächsten Verwandten mit einbezieht, der verbreitetste Nadelbaum der Welt. Er ist auf der ganzen Nordhalbkugel zu Hause, bis in den Norden Indiens und bis in Höhen von 4 000 m zu finden.
Da er nicht sehr konkurrenzstark ist und gleichzeitig aber sehr anspruchlos, wächst er da, wo keine anderen Bäume wachsen, auf trockene, sandige, steinige und Moorböden, Heiden und mageren Wiesen mit basischem, kalkhaltigem Boden. Da er von Schafen nicht angeknabbert wird (wenn Sie wissen wollen warum, fassen Sie mal einen der Zweige mit den meergrünen, immer zu dreien stehenden Nadeln an: sehr pieksig), findet er sich verbreitet auf Flächen, die von Schafen beweidet werden, z.B. auf der Schwäbischen Alb. Diese Wacholderheiden sind ein Charaktermerkmal der Alb, eindeutig eine Kulturlandschaft, deren Bestehen davon abhängt, dass die Wanderschäferei nicht ausstirbt. Da seitens der EU-Verwaltung der Schäferei immer mehr Hindernisse in den Weg gelegt werden, gleichzeitig die Verwertung der Wolle immer mehr zurückgeht und nur das Fleisch der Lämmer noch Käufer findet und in geringen Mengen auch Käse aus Schafsmilch und noch weniger die Milch selbst, geben immer mehr Schäfer auf. Die Frage stellt sich, was uns die Erhaltung dieser Kulturlandschaft wert ist und ob wir also die Schäfer eventuell aus öffentlichen Mitteln bezahlen wollen. Wir können auch Strickwaren aus heimischer Wolle kaufen, um die Schäferei zu unterstützen.
Aber zurück zum Wacholder.

Der Wacholder ist ein aufrecht wachsender Strauch, der bis zu 12 m hoch werden kann (manchmal sogar noch höher). Er wächst meist mehrstämmig. Sein Holz ist im Splint gelblich und im Kern rötlich. Es wird zum Drechseln und für Kleinmöbel verwendet, da es nicht in großen Mengen verfügbar ist. Es duftet sehr gut. Wenn Sie über die Alb wandern, wird Ihnen vielleicht einmal auffallen, dass nur manche Büsche „Beeren“ tragen (eigentlich sind es keine Beeren, sondern Zapfen). Das liegt daran, dass der Wacholder sich getrenntgeschlechtlich zweihäusig vermehrt und natürlich nur die weiblichen fruchten. Wie die Früchte aussehen, weiß jeder – sie werden ja in der Küche als Gewürz verwendet. Die Zapfen haben einen kurzen Stiel und bestehen aus drei Schuppen mit je einer Samenanlage. Die Schuppen verwachsen im Laufe ihrer Entwicklung mit Deckschuppen und werden fleischig. Die ganze Fruchtentwicklung dauert drei Jahre. Der Zapfen ist im ersten Jahr grün und verfärbt sich allmählich, bis er bei der Reife schwarzbraun und bläulich überhaucht wird. Sie finden an weiblichen Büschen darum immer Zapfen verschiedener Reifegrade. Die enthaltenen Samen haben eine sehr harte Schale, was jeder weiß, der einmal eine Wacholder„beere“ aufgebissen hat, und sind 4 bis 5 mm groß. Verbreitet werden die Samen von Vögeln, besonders dem Krammetsvogel, der Wacholderdrossel.

Der Gemeine Wacholder, Foto: Cornelia Blume

Vor einem Holunderstrauch solle man den Hut ziehen, vor einem Wacholder aber auf die Knie fallen, hieß es früher. Genoss also schon der Holunder eine große Hochachtung als Wohnung der Frau Holle, so noch mehr der Wacholder. Sein medizinischer Wert wird schon in altägyptischen Papyri erwähnt. Er wirkt stark keimtötend und abwehrstärkend. Durch das Kauen der Beeren (so werden sie nun einmal genannt, man verzeihe mir also die Ungenauigkeit) kann man sich in Erkältungszeiten vor Ansteckung schützen. Die Beeren enthalten ca. 1 % ätherisches Öl, das durch Wasserdampfdestillation gewonnen wird. Es kann zum Inhalieren verwendet werden. Mit den Nadeln und dem zerkleinerten Holz der Zweige wird geräuchert. Wie in alten Zeiten macht es immer noch Sinn, Krankenzimmer damit auszuräuchern. (Wacholderholz und -nadeln zum Räuchern sind gelegentlich im Handel erhältlich. Bitte bedienen Sie sich nicht selbst auf der Alb – der Wacholder ist geschützt! Und man kann auch mit den Beeren räuchern.) Sanfter ist die Wirkung einiger Tropfen des ätherischen Öls in der Duftlampe.

Wacholderbeeren verstärken die Ausscheidung über die Nieren und werden deshalb bei Gicht, Rheuma und Hautkrankheiten angewendet. Als Gewürz stärken sie Magen und Darm für ihre Arbeit. Und als Sirup werden sie bei Husten und Bronchitis gegeben. Nierenkranke und Schwangere sollten Wacholder nicht verwenden. Zuletzt noch ein Tip: Wenn der Herbst kommt und Nebel über der Alb liegt, machen Sie eine Wanderung über die Wacholderheiden, um den Kornbühl bei Salmendingen oder auf der Münsinger Alb. Manchmal meint man dann, die aufrechten Gestalten der Wacholderbäume wäre verwunschene Menschen oder Feen oder andere Naturwesen ...