Heilpflanzen

 

Einjähriger Beifuß
Botanischer Name: Artemisia annua (Familie der Korbblütler)

Einjähriger Beifuß

Der Einjährige Beifuß ist bei uns ein Neophyt, ein Zuwanderer. Seine Heimat ist ursprünglich der Norden Chinas, inzwischen ist er aber überall in den gemäßigten, subtropischen und tropischen Klimazonen verbreitet, so auch in Europa. In Deutschland soll es ich wild z.B. an der Elbe geben.

Du siehst schon: Er ist sehr anpassungsfähig, kommt mit sehr unterschiedlichen Klimata zurecht. Er ist verwandt mit Artemisia maritima, dem Strandbeifuß, mit Artemisia vulgaris, dem Gewöhnlichen Beifuß, und mit Artemisia abrotanum, dem Wermut, die alle bei uns heimisch sind. In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird der Einjährige Beifuß seit 2000 Jahren verwendet. In den letzten Jahren wird er auch bei uns entdeckt und erforscht und erweist sich als Heilpflanze mit großem Potential. Vor allem in der Malariatherapie macht er Furore. Es handelt sich, wie der Name sagt, um eine einjährige Pflanze. Sie wird 1,5 bis 2 m hoch und entwickelt viele Seitensprosse, die wechselständig am Stängel sitzen. Die Blätter sind viel feiner als bei unserem Gewöhnlichen Beifuß, bis 5 cm lang und 3 cm breit, 2- bis 3-fach gefiedert und am Zipfel gesägt. Die Blüten sind winzig, gelb und erscheinen in losen Rispen ab Mitte August. Sie werden vom Wind und von Insekten bestäubt. Die Samen sind winzig, sie brauchen Licht zum Keimen.

Du kannst den Einjährigen Beifuß ab Februar im Haus, an einem sonnigen Fenster vorziehen, am besten in kleinen Anzuchttöpfchen in einer Schale, sodass Du ihn „von unten“ begießen kannst. Er braucht immer etwas feuchte Füße. Achtung: die Samen nicht mit Erde bedecken – Lichtkeimer! Nach dem Auspflanzen in fruchtbare Erde mulchen! Die Pflanze verträgt Kälte bis – 2°.

Es sind insgesamt ca. 600 Inhaltsstoffe bekannt. Am höchsten ist die Wirkstoffkonzentration kurz vor der Blüte. Es finden sich viele Mineralien: Eisen, Zink, Mangan, Kalium, Kalzium, Phosphor, Schwefel und Bor, weiter Vitamin E, Polyphenole, Kumarine, Flavonoide, Bitterstoffe, Sesquiterpene (u.a. Artemisinin, der Hauptwirkstoff) und ätherische Öle (davon 44 % Kampher). Das Artemisinin findet sich in den drüsigen Haaren der Blätter. Es werden darum auch nur die Blätter verwendet.

Die getrocknete Droge hat bei guter Qualität einen intensiven, warmen, aromatischen Duft. Enthält die Droge Stängel, dann ist die Qualität minderwertig. Die Indikationsliste ist lang, von AIDS und Arthritis bis Würmer und Wunden. Besonders interessant ist die Wirkung bei Diabetes, Borreliose und Krebs.

Wer die Pflanze für sich nutzen möchte, bereitet sich am besten einen Tee: 1 TL Droge mit 80° heißem Wasser übergießen, 15 min zugedeckt ziehen lassen. Man kann die Droge ein zweites Mal aufgießen.

Es gibt auch Pulver zu kaufen (z.B. im Smoothie zu verwenden) oder eine Tinktur. Wenn Du Dich dafür interessierst, wende Dich an mich. Dann kann ich Dir Bezugsquellen nennen. Für ausführlichere Informationen empfehle ich Dir das Büchlein „Artemisia annua – die Heilpflanze der Götter“ von Barbara Simonsohn.

Da die Pflanze bei uns ein Neophyt ist, kommt sie im Mythos und Brauchtum nicht vor. Stattdessen halte ich es für eine interessante Frage, warum die Pflanze jetzt zu uns gekommen ist. Weil wir sie jetzt brauchen?