Heilpflanzen

 

Artischockenblueten

Artischocke
Botanischer Name: Cynara scolymus (Familie der Korbblütler/Asteraceae)

Die Artischocke ist nicht in Europa zu Hause. Sie stammt wohl aus Äthiopien, wurde schon um die Mitte des 1. Jahrtausends v.u.Z. in Ägypten kultiviert und kam von dort nach Rom. Erst seit dem 15. Jahrhundert wird sie auch in Mitteleuropa angebaut, zuerst in herrschaftlichen Gärten, auch in Heilkräutergärten, aber bis zur französischen Revolution galt sie als Zeichen von Reichtum, von Luxus und feiner Lebensart. Man glaubte übrigens, dass sie aphrodisierend wirke, weshalb die Fürstentöchter sie nicht essen durften.
Der Name Artischocke stammt von der arabischen Bezeichnung ab. Sie wird auch Erddistel, Erdschocke oder Erddorn genannt. Leonhart Fuchs hat sie in sein New Kreüterbuch aufgenommen, mit Abbildung und Besprechung. Er hat sie also gekannt, weswegen auch eine Artischocke im Garten am Nonnenhaus (dem Haus, in dem er in Tübingen gewohnt hat) steht.

Artischocke im Kräutergarten von Alb-Gold, Trochtelfingen

Im 19. Jahrhundert gelangte sie auf den amerikanischen Kontinent. Feldmäßig wird sie heute hauptsächlich in Frankreich (Normandie, Bretagne) und Italien angebaut.
Die Artischocke ist von wahrhaft königlicher Gestalt. Sie wird bis 2 Meter hoch. Und sie wurzelt auch sehr tief. Darum braucht sie einen tiefgründigen Boden, der noch dazu nährstoffreich sein sollte. In der Normandie und der Bretagne wird sie mit Seetang gedüngt – das scheint ihr sehr gut zu gefallen. Eine Pflanze nimmt einen Raum von 1 m² ein. Sie ist mehrjährig, wird aber meist zweijährig kultiviert. Im ersten Jahr bildet sie eine grundständige Blattrosette, im zweiten bis fünften Jahr kann sie Blütenstängel treiben. Als Speise erntet man die Blütenknospe. Zu Heilzwecken sind aber Blätter und Stängel und sogar die Wurzel noch besser zu gebrauchen. Man kocht die Blütenknospen und isst den Blütenboden und lutscht die fleischigen unteren Enden der Hüllblätter aus. Das Kochwasser nicht wegschütten, sondern trinken! Denn die heilsamen Stoffe sind auch darin.

Die Artischocke enthält Bitterstoffe, Schleimstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide, Cynarin, Karotin, Folsäure, Vitamin C und E, Inulin und Mineralien, besonders Natrium. Sie ist eine Einschleuserpflanze für Natrium.
Die Artischocke regt die Verdauung an, senkt den Cholesterinspiegel, beugt Arteriosklerose vor, aktiviert Leber und Galle und wirkt antioxidativ, indem sie die Bildung von endogenem Stickstoffmonoxid anregt. NO stimuliert und aktiviert die Aktivität und Bildung von Mitochondrien in den Zellen. Aphrodisierend wirkt sie allerdings nicht. Was die Fürsten der absolutistischen Zeit beobachteten, war vielleicht eher die aphrodisierende Wirkung des Reichtums – oder aber ihr gesteigertes Wohlbefinden ließ sie wieder mehr Lust am Sex empfinden. Es ist eine Tatsache, dass die reichen Männer seinerzeit nicht die gesündesten Menschen waren; das metabolische Syndrom (gegen das die Artischocke wirkt) war unter ihnen sicher weit verbreitet.

Artischocke im Kräutergarten von Alb-Gold, Trochtelfingen

Die Artischocke wurde zur Arzneipflanze des Jahres 2003 gewählt.

(Die Artischocke auf den rechten Fotos wuchsen im Schaugarten der Fa. Alb-Gold in Trochtelfingen.)