Heilpraktikerin

Heilpflanzen

 

Eberesche
Botanischer Name: Sorbus aucuparia, aus der Familie der Rosengewächse

Ebereschebaum

Die Eberesche ist ein sommergrüner Baum, der bis zu 12 m hoch wird. Er wächst am liebsten an Waldrändern, mag saure Böden, oft findet er sich auch als Alleebaum, inzwischen sogar häufig in den Städten, da er den aggressiven Autoabgasen länger standhält als Linden, Kastanien oder andere Alleebäume.

Der deutsche Name lautete ursprünglich Aberesche, das bedeutet „falsche Esche“. Denn der Baum hat Blätter, die denen der Esche sehr ähnlich sehen, gerade so zierlich gefiedert, aber es ist keine Esche. Und das botanische „aucuparia“ leitet sich von „aves capere = Vögel fangen“ ab. Denn die Beeren wurden als Lockmittel im Vogelfang benutzt. Aus dem gleichen Grund heißen die Beeren auf deutsch auch Vogelbeeren und der Baum Vogelbeerbaum.
Der Baum ist also keine Esche, sondern gehört zur weitverzweigten Familie der Rosengewächse, wie auch Apfel- und Birnbäume (die übrigens auch auf Vogelbeerstämme gepfropft werden können), der Odermennig oder eben die Rosen, Himbeeren, Erdbeeren usw. Eine Pflanzenfamilie, wie sie vielfältiger nicht sein könnte.

Illustration Sorbus aucuparia0

Die Eberesche war den alten Völkern in unserer Gegend heilig. Die Germanen weihten sie dem Gott Thor. Die Kelten sahen sie als einen Baum des Lebens an, ein Symbol des Wiedererwachens nach dem Winter, denn sie belaubt sich früh im Jahr. Sie bepflanzten auch ihre heiligen Stätten damit, denn sie schrieben dem Baum eine Schutzfunktion gegen Unheil und bösen Zauber zu. Manche ländlichen Bräuche spiegelten diese Vorstellungen noch bis in jüngere Zeit; z.B. hängte man Vogelbeerzweige an die Stalltüren.

Die Vogelbeeren gelten landläufig als giftig. Es stimmt, dass sie – roh genossen – Durchfall und Erbrechen auslösen können. Aber probieren Sie mal eine Beere! Sie schmecken sehr bitter, und niemand wird sie freiwillig in größeren Mengen verzehren. Die Symptome werden durch die enthaltene Parasorbinsäure ausgelöst, die beim Kochen zerfällt. Gekochte Früchte wirken nicht mehr abführend, sondern stattdessen stopfend. Die Blätter, als Teeaufguss genossen, wirken gegen Durchfall und Magenverstimmung (durch die enthaltenen Gerbstoffe). Die Blüten helfen bei Husten und anderen Erkrankungen der Atemwege.

Eine gute Hustenmischung auch für Kinder ist zum Beispiel die folgende:

2 Teile Königskerzenblüten
2 Teile Huflattichblüten
1 Teil Ebereschenblüten und
1 Teil Holunderblüten
Von der Mischung 1 EL in einem Becher heißer Milch (oder Milchersatz) kurz aufkochen, dann ziehen lassen, abseihen und mit Honig süßen.

Auch die getrockneten Beeren sind nützlich. Man setzt einen TL davon mit kalten Wasser an, kocht kurz auf und seiht ab. Nicht süßen! 2 bis 3 Tassen davon pro Tag wirken anregend auf Blase und Nieren, blutreinigend und entschlackend.
Man kann die getrockneten Beeren auch kauen, dann helfen sie gegen Duchfall.

Sorbus aucuparia Wilde lijsterbes bloemen closeup

Wegen der enthaltenen Carotinoide und reichlich Vitamin C sind die Beeren auch für die Ernährung wertvoll.

Ich verrate Ihnen jetzt mein Marmeladenrezept.

Die Beeren werden eigentlich erst nach dem ersten Frost geerntet. Da dann aber meist keine mehr da sind, weil die Vögel alle geholt haben, erntet man sie zweckmäßigerweise früher (im September) und friert sie über Nacht ein. Das mindert die Bitterkeit.
Zusätzlich können Sie die Beeren über Nacht in kaltes Wasser mit einem Schuss Essig legen.
Dann mischen Sie 300 bis 400 g Beeren mit 600 bis 700 g kleingeschnittenen reifen, süßen Birnen (sodass Sie insgesamt 1 kg Frucht haben), und fügen dann je nach Geschmack 400 bis 500 g Zucker hinzu. Geben Sie ein Geliermittel dazu (z.B. 15 g Pektin) und kochen Sie das Ganze, bis die Beeren aufplatzen und die Birnen zerfallen. Dann füllen Sie in saubere, heiß ausgespülte Twist-off-Gläser ab und schrauben sie sofort zu. Lassen Sie die Gläser kurz „auf dem Kopf“ stehen. Vergessen Sie nicht, die Gläser nach dem Abkühlen zu beschriften.
Diese Marmelade ist etwas besonderes, das Sie nirgends kaufen können.

Zum Beschluss noch ein Gedicht von Gottfried Benn:

Ebereschen

Ebereschen – noch nicht ganz rot
von jenem Farbton, wo sie sich entwickeln
zu Nachglut, Vogelbeere, Herbst und Tod.
Ebereschen – noch etwas fahl,
doch siehe schon zu einem Strauß gebunden
ankündigend halbtief die Abschiedsstunden:
vielleicht nie mehr, vielleicht dies letzte Mal.
Ebereschen – dies Jahr und Jahre immerzu
in fahlen Tönen erst und dann in roten
gefärbt, gefüllt, gereift, zu Gott geboten −
wo aber fülltest, färbtest, reiftest du −?

Die Eberesche war der Baum des Jahres 1997.