Heilpflanzen

 

Wilde Karde
Botanischer Name: Dipsacus silvestris oder fullonum L.

Die Wilde Karde gehört in die Familie der Kardengewächse (Dipsacaceae). Sie ist zweijährig und wird bis zum 2 m hoch.
Die Karde ist eine ausgesprochen wehrhafte Pflanze. Alle Teile sind stachlig, der Stängel, die Blätter, die Blüten, einfach alles.

Die Blätter stehen kreuzwechselständig am Stängel, d.h. immer paarweise gegenüber und das nächste Paar dann um 90° gedreht.
Die gegenüberstehenden Blätter sind am Grund miteinander verwachsen. Um den Blütenkorb herum stehen Tragblätter, die länger sind als die Blüte selbst. Die Blüten beginnen sich in der Mitte des Korbes ringförmig zu öffnen. Der Ring teilt sich dann und wandert nach oben und unten. Die einzelnen Röhrenblüten sind so tief (1 cm), dass nur langrüsselige Hummeln oder Schmetterlinge an den Nektar kommen. Die Pflanze kann sich auch selbst bestäuben.

Im ersten Jahr bildet die Pflanze eine bodenständige Blattrosette und blüht im zweiten Jahr, von Juni bis Oktober. Fruchtreife ist im September und Oktober. Die Fruchtstände bleiben den ganzen Winter über stehen und sind vor allem bereift sehr dekorativ.

Die wilde Karde stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und ist in Deutschland seit Langem verbreitet. Nur in den nördlichen Bundesländern ist sie seltener. Auch im Gebirge findet sie sich nicht. Sie liebt es warm, bevorzugt karge steinige Standorte in voller Sonne.

Sie vermehrt sich durch Samen, die von Tieren und vom Wind weitergetragen werden. Die Samen sind das Lieblingsfutter der Distelfinken. Willst Du sie im Garten ansiedelt, so säe die Samen im Frühjahr aus!

In der Heilkunde werden gelegentlich die Blätter, vor allem aber die Wurzeln verwendet. Sie werden im Spätsommer des ersten Jahres geerntet. Die Wurzel mitsamt dem Blattherz wird gesäubert, nicht geschält und dann klein geschnitten und getrocknet oder gleich frisch in Kornbrand oder Wodka eingelegt, um eine Tinktur zu erhalten.
Inhaltsstoffe sind das Glykosid Scabiosid, Tannin, Mineralien, Kalisalze, Bitterstoffe, Inulin, Saponine und Kaffeesäurederivate.
Die Karde hieß auch Weberdistel oder Weberkarde. Daneben gibt es weitere Namen mit ähnlicher Bedeutung, auch in anderen Sprachen. Die Kardenköpfe waren aus der Tuchmacherei nicht wegzudenken. Die Tuchmacher bauten sie in ihren Gärten an und verwendeten die Köpfe, um Wollstoffe aufzurauhen. Das Wappen der englischen Tuchmacherzunft zeigte drei gekreuzte Karden.

Die Verwendung der Karde ist seit der Hallstattzeit (ab ca. 800 v.Chr.) nachgewiesen. Sie treibt Schweiß und Harn, wirkt auf den Magen und reinigt den ganzen Organismus. Hierzu kann ein Tee zubereitet werden aus dem Blättern oder der Wurzel. Setze 2 TL Wurzel mit ¼ Liter Wasser kalt an, koche auf und lasse dann 10 Minuten ziehen. Zwei Tassen am Tag sind ausreichend.

Eine Abkochung der Wurzel ist geeignet, um Sommersprossen oder Altersflecken zu bleichen, zur Behandlung von Akne oder Ausschlägen oder als Wundheilmittel. Hildegard von Bingen gab das Pulver aus der getrockneten Wurzel bei Vergiftungen. Und die Homöopathie verwendet es ebenfalls zur Blutreinigung sowie bei Gicht, Arthritis und Rheuma.

Da, wo die gegenüberstehenden Blätter am Stängel miteinander verwachsen sind, bildet sich eine Vertiefung, in der sich Wasser sammelt. Darum nennt man die Karde auch Venusbad, Venusbecken oder – christlich gedreht – Unser lieben Frauen Waschbecken. Schon die Römer sprachen vom lavacrum veneris. Das Wasser aus der Vertiefung, soweit es nicht von Insekten verunreinigt ist, galt als Schönheitsmittel, wurde auch zum Bleichen von Sommersprossen und Altersflecken verwendet. Wozu dies Wassersammelbecken der Pflanze selbst dient, ist nicht klar. Manche sagen, es verhindere, dass Ameisen am Stängel hinaufklettern. Andere meinen, dass Insekten, die darin ertrinken, die Stickstoffversorgung der Pflanze verbessern. Nun ja …

Wolf-Dieter Storl hat die Karde als Heilmittel in die Behandlung der Borreliose eingeführt. Dazu angeregt hat ihn die auffällige Signatur der Karde, das Muster, in dem die Röhrenblüten sich im Blütenkorb öffnen, das genau der Wanderröte, dem ersten Symptom der Borreliose entspricht. Die Wirkung von Tee und Tinktur ist inzwischen vielfach erprobt, wenngleich es bisher keine wissenschaftlichen Studien dazu gibt. Storls Buch zum Thema Borreliose ist sehr lohnend zu lesen.

Astrologisch sind der Karde Mars (klar: wegen der Stacheln), Saturn (wegen der Strukturiertheit und Kargheit der Gestalt, bei aller Größe) und Venus (warum wohl?) zugeordnet.