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Heilpflanzen

 

Gelber oder Echter Steinklee (Honigklee)
Botanischer Name: Melilotus officinalis, aus der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Hülsenfrüchtler)

Illustration Melilotus officinalis0

Der Echte Steinklee findet sich überall auf kalkhaltigen Böden auf Schuttplätzen, an Böschungen, Bahngeleisen, Straßenrändern, Brachflächen. Es handelt sich also um eine Ruderalpflanze. Er ist auch eine Pionierpflanze und siedelt auf Rohböden. Er ist eben nicht anspruchsvoll. Allerdings braucht er ein vollsonniges Plätzchen. Wie alle Hülsenfrüchtler arbeitet er unterirdisch mit Knöllchenbakterien zusammen und sammelt Stickstoff, kommt deshalb mit stickstoffarmen Böden zurecht. Seine Wurzel ragt bis 90 cm in die Tiefe. Oberirdisch wächst er aufrecht und verzweigt 30 bis 100 cm hoch. Er ist nicht ausdauernd, sondern zweijährig. Er ist recht selten geworden. Wo er siedelt, wächst er aber reichlich und sorgt für seinen Nachwuchs. Er ist ein Trockenheitsanzeiger. (Die diesjährige Trockenheit ist allerdings selbst ihm zu viel: Er ist schon vollständig verblüht, wie ich bei einem Gang über den Wurmlinger Kapellenberg feststellen musste.)
Die Blüten erscheinen von Juni bis September, traubenartig sitzen gelbe Schmetterlingsblüten an den Zweigenden. Sie werden von Bienen und Schwebfliegen bestäubt, dienen aber auch anderen Insekten als reichgedeckter Nektartisch. Die Blüten duften wunderbar nach Heu. Das macht das Cumarin, das darin enthalten ist. Der Duft verstärkt sich noch, wenn man das Kraut schneidet und sanft trocknet. Im Kräuterbuch des Tabernaemontanus steht, der Geruch komme und gehe siebenmal am Tag; wenn die Pflanze gepflückt wurde, bleibe der Duft beständig. Und wenn trübes Wetter anstünde, dann werde der Geruch gewaltig, weshalb es dann Wetterkraut genannt werden wolle.

Melilotus officinalis-British Entomology

Denselben Geruch von Cumarin, der sich erst beim Antrocknen entfaltet, kennen Sie vom Waldmeister. Abgesehen vom Cumarin finden sich folgende Inhaltsstoffe: Melilotsäure, Gerbstoffe, Schleimstoffe, Flavonoide und Kalzium. Man verwendet zu Heilzwecken die oberen Teile des blühenden Krautes.

Man kann kleine Kissen mit dem getrockneten Kraut füllen und in die Wäscheschränke legen – das duftet dann fein. Wenn es dann einen Furunkel oder geschwollene Drüsen zu behandeln gibt, kann man das Kissen über Wasserdampf erwärmen und auflegen.

Die Inhaltsstoffe des Krautes erweitern die Blutgefässe und vermindern deren Durchlässigkeit, was den Bluttransport, vor allem den venösen Rücktransport verbessert; darum ist eine Teekur sinnvoll bei schweren Beinen, Krampfadern, drohenden Thrombosen. Auch der Lymphfluss wird unterstützt und dadurch die Genesung bei Lymphdrüsenerkrankungen. (Auch das Klettenlabkraut, das ich im vorigen Monat vorgestellt habe, enthält Cumarin. Es durftet nicht so ausdrucksvoll, aber sein Verwandter, das Echte Labkraut, kann sich mit dem Steinklee vergleichen.)

Der Tee hilft auch beim Einschlafen, verkürzt die Einschlafphase und beruhigt die Nerven (wie auch Waldmeister – auch eine Cumarinpflanze). Mit einer Steinklee-Tinktur oder einen starken Absud lässt sich eine Salbe herstellen, die verbeugend gegen Thrombosen, aber auch bei Lymphstau eingesetzt werden kann. Die Tinktur wirkt innerlich gegen Kopfschmerzen und Migräne.

Und zu guter Letzt ist Steinklee eine Einschleuserpflanze für Kalzium, d.h. dass die Pflanze dem Körper hilft, Kalzium aus der Nahrung auch wirklich aufzunehmen. Die Blätter der Pflanze – dreiteilig wie alle Kleeblätter – zeigt noch eine besondere Eigenschaft: Sie falten sich nachts zusammen.