Heilpflanzen

 

Klettenlabkraut
Botanischer Name: Galium aparine, aus der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae)

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Galium aparine b“. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

Das Klettenlabkraut kenne ich seit langem, den es wächst ziemlich aufdringlich an einer bestimmten Stelle in meinem Garten. Ich habe es bisher als lästiges Unkraut angesehen – bis ich kürzlich einen Hinweis darauf bekam, dass es vielleicht nicht umsonst gerade in unserem Garten wächst. (Eigentlich wusste ich, dass es ein Zeichen ist, wenn ein bestimmtes Kraut hartnäckig vor der eigenen Haustür sich ansiedelt, aber ich habe nicht „zugehört“ – dumm von mir. Jetzt habe ich mich näher damit befasst und will die Ergebnisse nicht für mich behalten.)

Das Klettenlabkraut ist einjährig. Es wächst liegend oder klimmend und bildet wenig verzweigte Stängel von bis zu 150 cm Länge, manchmal noch länger. Die Stängel sind vierkantig und an den Kanten mit Borsten besetzt. Diese Borsten erlauben es dem Kraut, an Zäunen oder anderen Pflanzen hinaufzuwachsen. Zugleich bildet es dank dieser Borsten fest miteinander verknüpfte Matten, die in früheren Zeiten benutzt wurden, um die Milch hindurchzuseihen und von hineingefallenen Samen oder Tierhaaren zu befreien.

Galium aparine hat ganz schmale lanzettliche Blätter von bis zu 2 cm Länge, die in Quirlen zu sechst bis neunt an den Knoten der Stängel sitzen. Die Wurzeln sind zwar bis 35 cm lang, aber nur schwach ausgebildet. Sie machen nur 10 % der Biomasse aus; offenbar ist das Sich-Verwurzeln der Pflanze als Einjähriger nicht so wichtig.

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Galium aparine001“ von I, Hugo.arg. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.
Die zwittrigen Blüten erscheinen an den Enden der Stängel in kleinen Trugdolden, die in mehreren Etagen aus einem Quirl von Tragblättern herauswachsen. Sie sind weiß, vierzipflig und nur 1,5 bis 2 mm groß. Die Früchte sind deutlich größer, ca. 5 mm dick, immer zu zweit und auch mit Borsten besetzt. Damit können sie sich im Fell von Tieren festhaken und von ihnen weitertragen lassen. Das Klettenlabkraut pflanzt sich ausschließlich geschlechtlich fort, also über Samen. Als Ackerunkraut ist es sehr lästig; es kann den Ertrag z.B. eines Weizenfeldes um bis zu 60 % mindern, da es die Ernte außerordentlich erschwert. Es wird entsprechen eifrig mit sog. Pflanzenschutzmitteln (ein Euphemismus, den ich gar nicht mag) bekämpft.

Ich habe gelesen, dass die Samen – geröstet – als Kaffeeersatz dienen können. Als Wildgemüse sind die Blätter auch verwendbar; ich kann mir allerdings ergiebigere und verlockendere Wildgemüse vorstellen. Aber als Heilpflanze ist das Klettenlabkraut nicht zu unterschätzen.

Plinius d.Ä. erwähnt es als Mittel gegen Schlangen- und Spinnenbisse. Diese Indikation findet sich allerdings in der Antike bei fast jedem Kraut. Außerdem schreibt er, dass es zur Blutstillung und gegen Ohrenschmerzen tauge. Leonhart Fuchs, der Tübinger Botaniker des 16. Jahrhunderts, übernimmt seine Angaben und fügt hinzu, dass das Kraut gegen den Kropf zu verwenden sei. Die Eigenschaft des Krautes, die Hormonproduktion der Schilddrüse zu regulieren, ist inzwischen überprüft und bestätigt.

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Galium aparine3 ies“ von Frank Vincentz - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.
Jedenfalls ist das Klettenlabkraut ein hervorragendes Lymphmittel. Man kann es als Tee einsetzen – dann eventuell mit Ringelblume und Stinkendem Storchschnabel gemischt. Das Kraut verliert seine Heileigenschaften, wenn es getrocknet und anschließend heiß aufgebrüht wird. Es sollte also frisch verwendet werden. Am besten wirkt es als Tinktur: dafür schneidet man die oberirdischen Teile des blühenden Krautes so fein wie möglich, füllt es in ein Schraubglas, drückt das Kraut recht zusammen und übergießt es mit Obstler oder Wodka. Das Glas sollte richtig voll sein. Dann zuschrauben und einige Wochen kühl und dunkel stehen lassen. Dann können Sie die Flüssigkeit abgießen (am besten durch einen Papier-Teefilter) und in ein Fläschchen füllen. Es hilft gegen chronisch geschwollene Lymphknoten im Kopf- und Halsbereich, vor allem bei Kindern. Da es auch wassertreibend wirkt, dosieren Sie vorsichtig, zuerst nur tropfenweise, bis Sie herausgefunden haben, was Sie oder Ihr Kind vertragen. Bei Diabetes ist es wegen der harntreibenden Wirkung kontraindiziert. Aber bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten ist es durchaus eine Option, da eventuell auch als Kaltaufguss.

Kurz und gut: So wie man früher die Milch damit gefiltert hat, so wirkt das Kraut auch im Körper und reinigt und filtert alle inneren Flüssigkeiten. Eine wichtige Indikation sind auch Nervenschmerzen und andere nervöse Beschwerden. Auch bei Epilepsie soll das Kraut gut wirken. Das Klettenlabkraut – zu guter Letzt – gehört auch zu den Pflanzen, die früher als Unser Jungfrauen Bettstroh bezeichnet wurden. Man hat es als Unterlage für Gebärende verwendet, was man wohl den Tieren abgeschaut hat. Hirsche scheinen es als Nachtlager und als „Nest“ für ihre Jungen zu benutzen.