Heilpflanzen

 

Wilde Möhre, Daucus carota L., Doldenblütler (Apiaceae)

Wilde Möhre, aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae)
Botanischer Name: Daucus carota L.

Die Familie der Doldenblütler hat schon so manche/n Kräuterliebhaber/in in Verzweiflung gestürzt. Diese Pflanzenfamilie ist so vielfältig, ihre Mitglieder einander wiederum vielfach so ähnlich, dass die Bestimmung viel Wissen und Übung erfordert. Die Wilde Möhre macht es einem leicht, zumindest zur Blütezeit im Juni und Juli: inmitten ihrer Blütendolde sitzt (meistens – nicht immer!) eine einzelne dunkelrote oder purpurne bis schwarze und deutlich größere Blüte auf längerem Stiel, die sog. Mohrenblüte. Es sieht auf den ersten Blick aus, als säße da ein Insekt. Erst bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass „das Insekt“ eine Blüte ist. Und während die weißen Blüten um sie herum zwittrig sind, ist die Mohrenblüte rein weiblich und steril.

Die wilde Möhre findet sich häufig. Sie ist in Europa, Nordafrika und Kleinasien zu Hause. Nach Nordamerika wurde sie von den ersten Siedlern eingeführt und gilt dort als aggressiver Neophyt, so wie bei uns die Kanadische Goldrute. Sie kommt mit subtropischem Klima ebenso zurecht wie mit subkontinentalem, subozeanischem oder gemäßigtem. Sie mag sonnige, sandige, eher trockene Standorte auf Kalkboden im Hügel- oder Flachland. Sie wächst auf Wiesen und Weiden, an Wegrändern, auf Schuttflächen und Unkrautfluren.
Die Pflanze ist zwei- bis mehrjährig und wird 20 bis 150 cm hoch. Sie wurzelt bis zu 80 cm tief. Die verdickte Hauptwurzel ist nicht orangefarben wie bei der kultivierten Möhre, sondern von blasser Farbe. Sie enthält viel weniger Karotin als die Gartenmöhre. Die Einzelblüten sind zunächst rosa gefärbt, dann weiß. Nachts und nach der Blüte biegen sich die einzelnen Stiele der Dolde einwärts und geben dem Blütenstand die Anmutung eines Vogelnestes. Der reife Samenstand bleibt über den Winter stehen. Die Blätter sind für die Größe der Pflanze auffällig fein gefiedert, besonders die großen Hüllblätter um die Dolde herum (Merkur-Signatur). Die Wilde Möhre vermehrt sich durch Samen. Für die Befruchtung sind Insekten zuständig, besonders Fliegen, Käfer und Sandbienen.

Wilde Möhre, Daucus carota L., Doldenblütler (Apiaceae)

Gesammelt werden Wurzeln, Blätter und Samen, die Blätter von Mai bis Juli, die Wurzeln im Frühjahr, wenn die Pflanze gerade austreibt, oder im Herbst. Die Samen sind im September reif. In allen Pflanzenteilen finden sich Zucker, Kieselsäure und Vitamine: mehrere B-Vitamine, Vitamin A und Vitamin C. Die Samen enthalten auch ätherische Öle. Die Wilde Möhre ist eine Lichtpflanze. Sie nimmt kosmische Lichtenergien auf und verwandelt sie in Zucker und ätherisches Öl. Da – wie Goethe sagte – auch unsere Augen sonnenhaft sind, unterstützt die Wilde Möhre die Sehfähigkeit: Karotin und Kieselsäure der jungen Blätter zusammen schützen die Netzhaut. Oder Darmparasiten: Die mögen es dunkel und feucht. Die Wilde Möhre ist ihnen zu sonnenhaft (wie Wolf-Dieter Storl sagt) und treibt sie aus.

Der rohe Wurzelbrei als Auflage hilft bei Sonnenbrand, Verbrennungen und offenen Beinen, der gekochte Brei gegen Durchfall kleiner Kinder. Möhrenwurzelöl ist ein gutes Pflegemittel bei trockener Haut und Kopfhaut. Es ist im Handel erhältlich. Man oder frau kann es aber auch selbst ansetzen: eine Wurzel ausgraben, gründlich reinigen, trockentupfen, möglichst fein zerkleinern und in ein Glas Füllen und mit gutem Olivenöl übergießen, sodass die Wurzelteilchen bedeckt sind, das Glas mit einem Taschentuch abdecken, damit Feuchtigkeit entweichen kann, und für zwei Wochen an einen warmen Platz stellen, danach das Öl durch einen Kaffeefilter gießen und lichtgeschützt aufbewahren.

Wilde Möhre, Daucus carota L., Doldenblütler (Apiaceae)

Der Tee aus dem blühenden Kraut wird bei Nieren- und Harnwegserkrankungen eingesetzt. Die Samen regen die Menstruation an; dazu über den Tag verteilt 1 Esslöffel voll Samen gut kauen und essen. Aus den Samen lässt sich auch eine Tinktur ansetzen; hierfür die Samen im Mörser verreiben und dann in ein Glas füllen und mit Korn oder Obstler übergießen. Mindestens drei Wochen stehen lassen und dann abfiltern. Zum Aufbewahren Braunglas- oder Blauglasfläschchen verwenden. Schwangere sollten die Samen meiden!

Die Blüte zeigt noch eine besondere Signatur: die durch die Mohrenblüte betonte Mitte und die Geste der sich darum schließenden Dolde. Auf der seelischen Ebene dient die Wilde Möhre der Konzentration, sie hilft, in die eigene Mitte zu kommen und dort ruhen zu können. Wer diese Wirkung ausprobieren möchte, kann dazu die Wesenhafte Urtinktur der Fa. CERES verwenden, Daucus carota comp., oder sich eine eigene Tinktur aus der ganzen blühenden Pflanze herstellen. Hierzu würde ich darauf achten, dass die Pflanze, die ich mir aussuche, die Mohrenblüte tatsächlich zeigt – das tun ja wie gesagt nicht alle.