Heilpflanzen

 

Hypericum perforatum i01

Echtes Johanniskraut
Botanischer Name: Hypericum perforatum L.

In den Juni fällt der Johannistag, der 24., Tag des Heiligen Johannes des Täufers, des Heiligen, mit dem die christliche Kirche die Sommersonnenwende besetzt hat, so wie das Christgeburtsfest die Wintersonnenwende besetzt, am gegenüberliegenden Pol des Jahreskreises. Und den Namen des Heiligen trägt das Johanniskraut und erinnert mit seinen Blüten und seinen Eigenschaften zugleich an die Sonnenwende, um die herum es seine Hochblütezeit hat. In vorchristlicher Zeit war es dem Sonnengott Balder geweiht bzw. dem keltischen Lug. Johanniskraut ist ein Lichtträger. Es vermittelt dem Seelendunkel das fehlende Licht. Es wird erfolgreich bei leichten bis mittleren Depressionen eingesetzt. Studien lassen erkennen, dass es ebenso wirksam ist wie Chemotherapeutika, aber fast ohne Nebenwirkungen. Die Wirkung beruht darauf, dass Johanniskraut mehrere Neurotransmitter sanft stimuliert, ohne zugleich müde zu machen. Bei hoher Dosierung und längerer Einnahme kann es zu erhöhter Photosensibilität der Haut führen. Um etwa dem winterlichen Lichtmangel und seinen Wirkungen aufs Gemüt entgegenzuwirken, ist kein hochdosiertes Monopräparat nötig. Da tut’s auch der Tee oder eine Urtinktur.

Johanniskraut erhöht die Abbaurate von manchen Medikamenten (Immunsuppresiva, manche Antibiotika, hormonelle Verhütungsmittel) in der Leber. Wer solche Medikamente einnimmt, sollte hochdosierte Johanniskrautpräparate nicht ohne ärztlichen Rat anwenden. Johanniskraut ist mehrjährig, wird bis zu 1 m hoch und wächst bevorzugt auf mageren Böden und in voller Sonne. Es blüht von Juni bis August. Es vermehrt sich über Samen. Wenn der Boden sauer ist, akkumuliert es Cadmium und ist dann zu Heilzwecken ungeeignet. Wenn man es also selbst anbauen will, dann ist darauf zu achten, dass der pH-Wert des Bodens nicht unter 7 liegt. Ausgesät wird im Frühling. Vermehrung ist auch durch Stecklinge möglich. Wo es sich wohlfühlt, vermehrt es sich aber auch von selbst kräftig. Die Inhaltsstoffe sind: Hypericin (wird hauptsächlich für die Heilwirkung verantwortlich gemacht), Phytosterin, ätherisches Öl, Gerbstoffe, Rutin, Quercitin, Cholin, Flavonoide und ein roter Farbstoff. Sie wirken entzündungshemmend, nervenstärkend und beruhigend, schmerzlindernd und das Blut verbessernd.

Das Kraut heißt auch Johannisblut oder Löcherkraut. Wenn Sie ein Blatt gegen das Licht halten, sehen sie viele kleine Punkte, die wie Nadelstiche aussehen. Es handelt sich dabei um die Öldrüsen. Und wenn Sie Blütenblätter zwischen den Fingern verreiben, färben sich Ihre Finger rot: das Blut des Täufers. Paracelsus schätzte das Kraut sehr. Hildegard von Bingen nannte es die „Arnika der Nerven“. Wenn man die Blüten und ggf. die oberen Triebspitzen in Öl ansetzt und einige Wochen ausziehen lässt, färbt sich das Öl tiefrot. Das entsprechende Handelsprodukt heißt darum auch Rotöl. Dieser Ölauszug hat viele wohltuende Wirkungen. Es wird in der Geburtsvorbereitung genutzt. Man kann Sonnenbrand (!) damit behandeln (aber bitte nicht frisch eingeölt gleich wieder in die – vor allem südliche – Sonne gehen!). Innerlich angewandt verringert es Schmerzen bei Brandwunden und Koliken, beruhigt die Nerven, hellt die Stimmung auf bei klimakterischen Depressionen und hilft bei hormonellen Störungen.

Quelle: pixabay.com

Nicht zuletzt können Sie Johanniskraut als Haarfärbemittel verwenden. Verreiben Sie eine Handvoll getrockneter Blätter zu Pulver und vermischen Sie das Pulver mit warmem Wasser, sodass sich ein weicher Brei ergibt. Massieren Sie den Brei in die Haare ein und lassen Sie ihn 30 Minuten wirken. Dann spülen Sie die Kräuterpackung aus. Gießen Sie sich zuletzt eine Kanne Wasser mit etwas Zitronensaft über den Kopf. Jede natürliche Haarfarbe wird so intensiver und bekommt einen kleinen Rotstich.