Heilpflanzen

 

Echter Salbei
Botanischer Name: Salvia officinalis, aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae)

Salvia officinalis - Köhler–s Medizinal-Pflanzen-126

Die weisen Ärzte von Salerno sagten:
„Warum sollte sterben, wer Salbei in seinem Garten hat?“
„Cur morietur homo cui salvia crescit in horto?“
Damit ist schon deutlich, welche Wertschätzung die alten Ärzte dieser Pflanze entgegenbrachten. Den Römern war er heilig, die Druiden hielten ihn für fähig, Tote aufzuerwecken. Walahfrid Strabo, der Abt der Reichenau (um 800), widmet ihm eine besonders ausführliche Strophe in seinem „Hortulus“ (Gedicht über den Gartenbau). Der Name Salvia kommt von salvare = heilen. Die heilige Hildegard schätzte ihn ebenso wie alle Heilkundigen vom Hochmittelalter bis heute, und auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin und in der Homöopathie wird er gebraucht.

Der Tee hilft bei Nieren- und Leberleiden, gegen übermäßiges Schwitzen, gegen Schmerzen, gegen lästigen Harndrang, fördert die Menstruation und eine schnelle Geburt. Während der Schwangerschaft sollte er also nicht verwendet werden (außer in kleinen Mengen als Gewürz), da er eben Wehen auslösen kann. Auch in der Stillzeit ist er nicht zu empfehlen, da er den Milchfluss drosselt – es sei denn, frau will abstillen. Als Gurgelmittel unterstützt er die Heilung bei Halsentzündung. Salbeiblätter, roh gekaut, stärken das Zahnfleisch und das Immunsystem.

Hier ein Rezept:
Übergießen Sie eine Handvoll Salbeiblätter mit 0,7 l süßem Wein (z.B. Südwein, Beerenauslese). Lassen Sie den Wein 10 Tage stehen. Danach filtern Sie ihn ab. Der Wein desinfiziert und stärkt in Grippezeiten.

Für seine heilende Wirkung sind folgende Inhaltsstoffe verantwortlich: ätherische Öle (Thujon, Linalool und Cineol), Gerbstoffe sowie Bitterstoffe, außerdem Flavonoide (Rosmarinsäure, Kaffeesäuren). Diterpene wie Carnosol und Carnosolsäure wirken antioxidativ, antimikrobiell und chemoprotektiv gegen Karzinogene. Thujon ist in höheren Dosen giftig. Deshalb wird vom Dauergebrauch von Salbeitee abgeraten.

Der echte Salbei ist in Mitteleuropa nicht heimisch, sondern ein Migrant aus dem Mittelmeerraum. Er gedeiht aber in Süddeutschland auf kalkhaltigen (steinigen, trockenen) Böden hervorragend. Wenn er etwas windgeschützt steht, übersteht er fast jeden Winter. Darum ist er aus unseren Gärten nicht mehr wegzudenken und gehört zur Flora der Bauerngärten inzwischen zwingend dazu. In rauhen Lagen braucht er allerdings Winterschutz. Er vermehrt sich gern durch Absenker. Verwildert ist er sehr selten zu finden.

Salbei ist eine der Zutaten für den Essig der vier Diebe. Während im Jahre 1630 in Toulouse die Pest wütete, betrieb in den Häusern, deren Bewohner verstorben waren, eine Bande von Dieben ihr Geschäft, ohne sich anzustecken. Sie wurden verhaftet, und der Rat der Stadt schenkte ihnen das Leben gegen die Preisgabe ihres Rezeptes.

Salvia officinalis 001
Hier ein modernes Rezept:
Salbei- und Thymianblätter, Lavendelblüten und Rosmarinnadeln einen Tag anwelken lassen, in eine Flasche füllen und mit gutem Bio-Apfelessig auffüllen; die Mischung 2 bis 3 Wochen bei Raumtemperatur stehen lassen, täglich schütteln. Dann abseihen durch einen Kaffeefilter, in kleine Flaschen füllen und dunkel und kühl (nicht im Kühlschrank) aufbewahren.
Es handelt sich also um eine Tinktur, die statt mit Alkohol mit Essig angesetzt wird. Um der Haltbarkeit willen ist es wichtig, den Säuregehalt des Essigs zu erhalten, weswegen die Kräuter erst angetrocknet werden.
Sie können der Mischung auch noch weitere Kräuter hinzufügen, je nach Geschmack. Wenn eine Erkältung im Anzug ist, nehmen Sie einen Teelöffel von der Tinktur auf ein Glas warmes Wasser, dazu einen Teelöffel Honig, und gurgeln mit der Mischung und trinken dann den Rest. Die vier Diebe rieben sich am ganzen Körper damit ein. Das möchten Sie vielleicht nicht tun, des Geruches wegen.

In der Küche ist Salbei vielfältig zu verwenden. Das wissen Sie sicher schon alles. Hier nur eine Anregung: Nehmen Sie eine Handvoll Salbeiblätter, schneiden Sie sie in Streifen, rösten Sie sie in Olivenöl kurz an und fügen Sie dann Kartoffelscheiben oder gegarte Pasta hinzu. Mit Salz und Pfeffer würzen – fertig! Lecker!