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Heilpflanzen

 

Illustration Chelidonium majus0.jpg

Schöllkraut, aus der Familie der Mohngewächse/Papaveraceae
Botanischer Name: Chelidonium majus L.

Schöllkraut ist eine sommergrüne Pflanze, zwei- bis mehrjährig, die aus einem verzweigten Rhizom bis zu 70 cm hoch wächst. Sie hat gelappte und gefiederte Blätter und goldgelbe vierzählige Blüten mit einem Durchmesser bis 2 cm, die von Ende April bis Juni erscheinen, manchmal auch bis in den September.

Nach der Blüte bildet sie, wie der Klatschmohn, Kapselfrüchte, die aber lang (bis 5 cm) und dünn sind. Sie enthalten viele schwarze Samen. Wenn man den Stiel durchbricht oder ein Blatt einreißt, tritt ein orangegelber Milchsaft aus. Der Saft schmeckt bitter, scharf und unangenehm. Die Blüten werden durch Insekten bestäubt und die Samen durch Ameisen verbreitet.

Das Schöllkraut ist in den gemäßigten und warm-temperierten Regionen Europas und Asiens heimisch sowie rund um das Mittelmeer. Von den Siedlern wurde es nach Nordamerika gebracht, die es als Heilkraut mitnahmen. Dort ist es also ein Neophyt.

Das Schöllkraut liebt Stickstoff im Boden und sucht die Nähe menschlicher Siedlungen, verrät sogar manchmal abgegangene Siedlungen. Es wächst auf Schuttplätzen, an Wegrändern, in Mauerspalten, zwischen Hauswand und Asphalt, gern auch in alten Gemäuern, z.B. Burgen. Es mag es trocken und sonnig bis halbschattig. In den deutschen Alpen kommt es in Höhen bis 1250 Meter vor.

Schöllkraut

Dies Kraut wird schon von Aristoteles erwähnt, hat also eine lange Tradition in der Heilkunde. Es hat vielfältige Volksnamen: Augenwurz, Geschwulstkraut, Gilbkraut, Goldwurz, Gotsgab (Coeli donum = einer der Vorschläge, wie der botan. Name etymologisch zu deuten sein könnte), Herrgottsblatt, Ogenklar, Großes Schwalbenkraut (chelidon = Schwalbe, griech.), Warzenkraut, Hexenmilch, Krätzenkraut usw. Einige Namen weisen auf die Verwendungsmöglichkeiten hin, Goldwurz sagt uns, dass auch die Wurzel genutzt wird. Dioskurides und Plinius berichten, dass die Schwalben die noch verklebten Augenlider ihrer frisch geschlüpften Jungen mit dem Milchsaft bestreichen, wodurch die Augen sich öffnen können. Augenwurz und Ogenklar zeigen denn auch den Einsatz bei Augenleiden an.

Schöllkraut enthält über 20 verschiedene Alkaloide, die noch gar nicht alle identifiziert sind, z.B. Chelidonin und Berberin. Diese hochwirksamen Stoffe sind in allen Pflanzenteilen zu finden und konzentrieren sich im Herbst in der Wurzel, die dann ziemlich giftig ist. Essen sollte man die Pflanze nicht. Der Geschmack warnt den, der es versuchen will, rechtzeitig. Die Alkaloide wirken toxisch auf Bakterien, Viren und Pilze und schwach zytotoxisch auf menschliche Zellen.

Der Milchsaft wird traditionell bei Warzen, die auf Virusinfektionen beruhen, angewendet. Das kannst Du gut ausprobieren: etwas von dem Milchsaft auf die Warze tropfen oder streichen und antrocknen lassen (die Verfärbung der Haut verschwindet schnell wieder). Das geht natürlich nur mit der frischen Pflanze – und dafür ist die Zeit jetzt günstig. Schau mal, ob sie nicht vor Deiner Tür irgendwo wächst! Heilpflanzen wachsen ja gern da, wo sie gebraucht werden. Der Saft kann bei empfindlichen Personen Hautreizungen verursachen, auch die Tinktur. Um das zu vermeiden, streiche zwischen den Anwendungen etwas Schüsslersalz-Salbe Nr. 1 auf die Haut um die Warze herum.

Schöllkraut ist ein wirksames Mittel gegen krampfartige Beschwerden im Oberbauch: Magen, Darm und Gallenblase. Der berühmte Nürnberger Maler Albrecht Dürer hatte nach einer Malariainfektion starke Beschwerden mit einer geschwollenen Leber und Milz. Sein Arzt hat ihm einen Schöllkrautextrakt verschrieben, von dem er gesund wurde. Das ist ikonographisch dokumentiert.

Schöllkraut

Schöllkraut kann aber auch Leberzellen schädigen, die Leberenzyme hochschnellen lassen und zu Gallenkoliken führen, wenn Gallensteine vorhanden sind, die zu groß sind, um die Gallengänge zu passieren. Denn das Kraut verstärkt sowohl die Gallensaftproduktion wie auch die Ausschüttung aus der Gallenblase, wobei kleine Gallensteinchen mitgeschwemmt werden, größere aber auch steckenbleiben und Koliken verursachen können. Langer Rede kurzer Sinn: Bei der inneren Anwendung des Schöllkrauts kommt es besonders auf die Dosierung an, da Überdosierungen genau die Beschwerden hervorrufen können, die das Kraut heilen soll, dazu noch Erbrechen und blutige Durchfälle. Seit Paracelsus spätestens wissen wir: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift sei.“ Probiere es also bitte nicht auf eigene Faust aus! Schwangere, Stillende und Kinder unter 12 Jahren sollten das Kraut gar nicht verwenden.

In homöopathischer Verarbeitung wird das Schöllkraut noch immer auch gegen Augenleiden verwendet, bei trockener Bindehautentzündung, Reiz- und Ermüdungszuständen der Augen.

Hildegard von Bingen empfahl eine Salbe aus dem Milchsaft bei Ekzemen und Kontaktdermatitis. Ansonsten hielt sie nicht so viel von dem Kraut. Die Traditionelle Chinesische Medizin weiß ebenfalls, dass Schöllkraut Leber-Qi-Stagnationen auf löst, den Gallenfluss anregt und die Augen klärt.

Die Farbe der Blüten und des Milchsaftes weisen auf Sonne und Jupiter als astroligische Zuordnung hin, die Schärfe des Geschmackes und die auflösende Wirkung (Warzen!) auch auf Mars. Schau Dir die Pflanze genau an, dann kannst Du die Verwandtschaft mit dem Klatschmohn sehen: Achte auf die Behaarung von Blütenhüllblättern, Blättern und Stängeln. Und sieh die Schönheit!