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Heilpflanzen

 

Kirschbaum
Botanischer Name: Gattung Prunus, aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae)

Der Kirschbaum

Die Stammform der Süßkirsche ist die Vogelkirsche (Prunus avium). Sie ist in den europäischen Mittelgebirgen heimisch und noch immer häufig anzutreffen. Es heißt, dass sie überall gedeiht, wo auch Heckenrosen wachsen. Sie wächst an Waldrändern und in Hecken bis 1.700 m Höhe auf durchlässigem Boden (ph-Wert 3,5 bis 7,5), wird bis zu 30 m hoch und 300 Jahre alt. Sie braucht viel Licht, und wenn sie Platz hat, bildet sie breit ausladende Kronen.

Bei den Süßkirschen sitzen immer zwei oder drei (oder auch mehrere) fünfzählige Blüten in einem Büschel zusammen. Blütezeit ist im April bis Mai. Die Blüten sind sehr frostempfindlich. Die Früchte entstehen aus einem einblättrigen oberständigen Fruchtknoten als echte Steinfrucht. Die Blätter sind spitzoval, dunkelgrün, dünn und ungleich gezähnt. Die Rinde ist glatt, lederartig, dunkel- oder hell-silbriggrau. Sie löst sich in Ringen vom Stamm ab. Deshalb sehen Kirschbaumstämme immer geringelt aus, woran sie auch im Winter zu erkennen sind. Das Holz ist gelbrötlich, hart, fest und schwer. Bei Winterfrost unter – 25°C drohen Holzschäden.
Süßkirschen sind nicht selbstfruchtbar. Es braucht also immer einen zweiten Baum einer anderen Sorte in der Nähe. Das Bestäubungsgeschäft erledigen zum größten Teil die Bienen und Hummeln; der Wind spielt nur eine untergeordnete Rolle. Der Kirschbaum wird dem planetaren Prinzip der Venus zugeordnet.

Die Germanen weihten ihn entsprechend der Freya. Die weißen Blüten haben auch etwas Mondhaftes. Der Brauch, am Barbara-Tag (4. Dezember) Kirschzweige zu schneiden und in die Vase zu stellen, sodass sie zu Weihnachten blühen, ist der letzte Hinweis auf eine einst vielfältige Verehrung weiblicher Gottheiten in Gestalt des Kirschbaums. Barbara ist die letzte Nachfolgerin einer der drei Nornen Urd, Skuld und Verdandi, die für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft stehen und die Trinität der Göttin spiegelten. Im süddeutschen Raum verehrte man in vorchristlicher Zeit noch Ainbeth, Wilbeth und Borbeth (diese drei findet man z.B. auf einer Stele in Schlehdorf am Kochelsee), ihnen folgten die drei Bethen oder die drei heiligen Madeln:

Margareta mit dem Wurm,
Barbara mit dem Turm,
Catharina mit dem Radel:
Das sind die heiligen drei Madel.

Schauen Sie sich die Anfangsbuchstaben der drei Heiligennamen an: C, M und B. Die drei spielten schon immer eine Rolle in Zeiten des Überganges wie z.B. des Jahreswechsels, weswegen die Barbarazweige eigentlich Orakelzweige sind. Der Brauch, über die Türen zu schreiben die Jahreszahl sowie die drei Buchstaben, bezieht sich auf diese drei uralten Gottheiten. Die Buchstaben als Anfangsbuchstaben von Caspar, Melchior und Balthasar oder gar von „Christus mansionem benedicat“ zu deuten, ist eine spätere Überformung, als die drei heiligen Frauen nicht mehr erwünscht waren.

In Japan lebt diese Verehrung noch: Das Kirschblütenfest wird seit rund 1000 Jahren gefeiert. In Japan hat man viele Varietäten des Kirschbaumes mit besonders dekorativen Blüten gezüchtet, die zum Teil auch in unsere Gärten gelangt sind. In Europa spielen aber die Früchte die größere Rolle und sind deren Qualitäten der Maßstab der Züchtung und Veredelung.

 

 

Die Kirsche wird heute in der Naturheilkunde fast nicht mehr verwendet. Die jungen Blätter, im Frühjahr gesammelt und getrocknet, sind eine schmackhafte Zutat zu jeden Haustee. Der Saft ist ein Heilgetränk bei Blutarmut und zu niedrigem Blutdruck. Die getrockneten Kirschenstiele ergeben einen Hustentee. Auch das Harz des Kirschbaumes, in Wein aufgelöst, wirkt gegen Husten. Und die Kirschkerne finden Verwendung in den bekannten Kirschkernkissen. Im Backofen erwärmt, ersetzen sie eine Wärmflasche. Zur Massage schmerzgeplagter Babybäuchlein sind sie besonders geeignet. Kirschwasser soll gut sein gegen Gicht, Durchfälle, Fieber und so manche anderen Beschwerden. Es schmeckt aber auch gar zu gut!