Heilpraktikerin

Heilpflanzen

 

2009-10-24 (36) Stinging nettle, Urtica dioica, Große Brennnessel

Große Brennnessel, aus der Gattung der Brennnesseln
Botanischer Name: Urtica dioica L.

Jetzt sprießt sie wieder überall! Gewiss: Sie unbedacht anzufassen oder gar in einen Horst hineinzufallen ist nicht unbedingt ein Vergnügen – es sei denn, man sucht Linderung bei Gelenkbeschwerden. Doch auch dann ist es eine Rosskur und nicht einfach angenehm. Die Brennnessel ist eine höchst mächtige Pflanze. Nicht nur ist sie zäh und ausdauernd und widersetzt sich jedem Versuch, sie dort, wo sie sich einmal niedergelassen hat, wieder zu vertreiben. Sie ist auch eine ganz wunderbare Heilpflanze. Verwendet werden die jungen Sprosse, die Blätter, die Samen und die Wurzeln.

Große Brennnessel

Und ist es nicht großartig, dass jetzt wieder unser Mittagessen im Wald und auf der Wiese wächst? Soll ich Ihnen ein Rezept verraten? Schwitzen Sie eine große Tasse ungeschälten Rundkornreis in etwas Olivenöl an und gießen Sie das doppelte Volumen an Flüssigkeit – gemischt 3:1 aus Wasser und Weißwein – dazu. Würzen Sie mit Salz und lassen Sie den Reis bei niedriger Hitze köcheln. Schneiden Sie zwei große Hände voll junger Brennnessel-Triebe in Streifen und zwei Frühlingszwiebeln in Ringe. Hacken Sie etwas Knoblauch fein und dünsten Sie alles zusammen in einer Casserolle mit Olivenöl. Nehmen Sie eine zweite Pfanne und braten Sie eine Handvoll Löwenzahnknospen (sie müssen noch ganz geschlossen sein) in Olivenöl an . Wenn der Reis gar ist, fügen Sie Hafer- oder Sojasahne zu den Brennnesseln dazu, würzen mit Salz und Pfeffer, heben den Reis unter und streuen die Löwenzahnknospen sowie einige geröstete Sonnenblumen- oder Kürbiskerne darüber. Guten Appetit! (Die Menge reicht für 2 Personen.)

Die Brennnessel gehört zu den Ruderalpflanzen und zeigt einen stickstoffreichen Boden an. Sie ist ein Zivilisationsfolger. Sie ist nicht nur für Menschen nahrhaft und gesund, sondern auch für die Raupen einiger Schmetterlinge ganz unverzichtbar: zum Beispiel die Raupen des Tagpfauenauges und des Kleinen Fuchses ernähren sich nur von ihr. Wenn Sie an die Schmetterlinge denken, stimmt Sie das vielleicht versöhnlicher und Sie reißen sie nicht mehr aus, wenn Sie sie im Garten finden.

Warum brennen Brennnesseln? Am Stiel und auf den Blattoberseiten befinden sich sogenannte Brennhaare, in deren Spitzen Kieselsäure eingelagert ist, die die Haare starr und brüchig wie Glas macht. Bei Berührung brechen die Haarspitzen ab und hinterlassen eine Bruchstelle, die scharf ist wie eine Kanüle und in die Hautoberfläche eindringt und Ameisensäure hineinspritzt. Außerdem enthält der Brennsaft Natriumformat, Acetylcholin, Serotonin und Histamin. Die Ameisensäure bewirkt das Brennen und die Quaddeln. Eine sehr wirksame Waffe gegen Fressfeinde. Aber auch eine sehr wirksame Medizin bei rheumatischen Beschwerden. Wenn Sie sich trauen, können Sie Ihre schmerzenden Gelenke direkt mit der frischen Pflanze abreiben. Die Brennnessel ist auch sehr mineralreich. Sie enthält reichlich Mangan, Magnesium, Kalzium, Kieselsäure und Eisen, außerdem Vitamin A und C, Flavonoide und viel Chlorophyll. Für Eisen gilt sie als Einschleuserpflanze, d.h. sie hilft dem Körper, Eisen aufzunehmen. Sie ist eine wichtige Pflanze für die Frühjahrskur. Der Tee, einige Wochen kurmäßig getrunken, vertreibt die Wintermüdigkeit und hilft, Stoffwechselschlacken auszuspülen. Darauf beruht u.a. ihre Wirkung bei Gicht, Rheuma und Diabetes. Sie regt auch die Tätigkeit der Nieren an und reguliert die Verdauung.

20120623 Brennnesseln Hockenheim 2

Essbar sind auch die Samen. Wenn Sie sie nicht selbst sammeln können, können Sie sie auch in Kräuterläden oder Apotheken kaufen. Man gab sie früher den Pferden ins Futter, damit sie ein glänzendes Fell bekommen und beim Verkauf besser aussehen. Sie können sich die Samen natürlich auch für Ihren eigenen Haarwuchs zunutze machen. Sie schmecken gut, wenn man sie übers Müsli streut oder in Joghurt gemischt isst. Brennnessel-Tinktur können Sie verdünnt als Haarwasser zum Einmassieren in die Kopfhaut verwenden. Und schauen Sie sich die Pflanze mal ganz genau an, wenn sie zu blühen beginnt, vielleicht sogar mit der Lupe: Die Blüten besitzen eine ganz eigene Schönheit, auf die gewöhnlich niemand achtet.