Heilpflanzen

 

Veilchen, Viola odorata
Botanischer Name: Viola odorata

Veilchen (Duft-), Viola odorata, auch Märzveilchen, Marienstängel, Veiger oder Schwalbenblume genannt, gehört zur Familie der Veilchengewächse. Es ist im Mittelmeergebiet daheim, bis zum Kaukasus und nach Kurdistan und in weiten Gebieten Europas eingebürgert. Wenn es blüht, weist es für uns Menschen deutlicher als jede andere Blume auf den Frühlingsbeginn hin. Seit dem frühen Mittelalter wird es in den Gärten kultiviert als Zier- und Heilpflanze. Der Duft ist einfach beglückend.
Das Veilchen ist eine ausdauernde krautige Pflanze, bildet Rhizome und kann sich an einem Standort, der ihm gefällt, außerordentlich nachdrücklich vermehren. Es liebt Waldränder und andere halbschattige Plätze mit humosem Boden. Es blüht von März bis April und wird dann von den Hundsveilchen abgelöst, die sich von ihm dadurch unterscheiden, dass die Blätter z.T. am Blütenstängel ansetzen und die Blüten nicht duften. Der Duft des Märzveilchens dient übrigens nicht dazu, bestäubende Insekten anzulocken: Das Veilchen ist ein Selbstbestäuber. Es blüht im Hochsommer auf ganz unscheinbare Weise ein zweites Mal, wobei sich die Blüten gar nicht öffnen, sodass die Staubbeutel ihren Inhalt über der Narbe ausschütten. Die Samen, die sich bilden, sind kugelförmige Kapseln, die – wenn sie sich öffnen – die Samen herausschießen. Ist es nicht ehrfurchtgebietend, wie viele unterschiedliche Vermehrungsstrategien Mutter Natur erfunden hat für ihre vielen Kinder?
Es ist nicht nötig, das Veilchen weiter zu beschreiben – jeder und jede kennt es. Auch die Dichter lieben und liebten es und dichteten zu seinem Ruhm. Die Liebenden bedienen sich seiner als Liebesbote, es wurde und wird auf Frühlingstischdecken gestickt und auf Taschentücher, es wird zu Parfums verarbeitet und betört so die Nasen der Männer. In der raffinierten Küche findet man es, z.B. kandiert auf Torten und Desserts als Zierde oder frisch auf (Obst-) Salaten und Suppen.
Die Inhaltsstoffe des Veilchens sind Saponine, Jonon, ätherisches Öl, Schleimstoffe, organische Säuren, in den Blüten Salizylsäureverbindungen, in den Wurzeln das Alkaloid Odoratin.

Im Jahr 2007 war das Veilchen die »Heilpflanze des Jahres«. Zu Heilzwecken sammelt man das blühende Kraut, wenn die Blüten sich gerade geöffnet haben. Man trocknet es im Schatten und bewahrt es in dunklen Gläsern auf. Veilchentee hilft bei Husten, Asthma und Lungen- und Hautkrankheiten. Aus den frischen Blüten hergestellter Sirup ist gut bei Keuchhusten. Die heilige Hildegard stellte aus Veilchen eine Salbe her, mit der sich alte und frische Narben behandeln lassen. Die Abkochung aus der Wurzel, die ein Alkaloid enthält, ist ein sicheres Brechmittel in Notfällen.
Der Duft des Veilchens vertreibt Kopfschmerzen (ätherisches Öl), weswegen es durchaus sinnvoll ist, ein Sträußchen sich anzustecken, wenn man auf ein Fest gehen will. Veilchenwein hilft gegen seelische Verstimmungen.
Die ersten drei Veilchen, die man im Jahr findet, gegessen, hält das ganze Jahr Krankheiten fern, heißt es. Die Sage erzählt, dass die Tochter eines Zauberers in ein Veilchen verwandelt wurde. Nur in der Walpurgisnacht kann sie Menschengestalt annehmen. Wenn du das Veilchen just in diesem Augenblick pflückst, gewinnst du Frau und Schätze.
Wenn am Josephstag (19.3.) die Veilchen schon blühen, weist das auf eine frühe Ernte hin. Wenn sie an Medardi (8. Juni) immer noch blühen, verdirbt die Ernte. In Frankreich streut man Veilchen über die Äcker, um den Winter endgültig zu vertreiben und den Frühling anzulocken.
Das Veilchen ist Neptun (wegen der Farbe) und Venus (warum wohl?) zugeordnet.

Diesen Monat gibt’s die Heilpflanze auch für die Ohren (Hildegard hat sie übrigens auch bei Ohrenleiden angewandt, und auch die Homöopathie kennt Viola odorata als Mittel bei Ohrenschmerzen):