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Heilpflanzen

 

Bärlauch, aus der Familie der Lauchgewächse (Allioideae)
Botanischer Name: Allium ursinum L.

Der botanische Name Allium ursinum geht schon auf Plinius den Älteren zurück. Die Römer nannten das Kraut auch Herba salutaris – Kraut des Heiles – ein stolzer Name. Regionale deutsche Namen sind Bärenknuflak, Hollauch, Zigeunerknoblauch, Ramse/Rämscher/Kremser vom althochdeutschen rame, was wohl einfach Lauch bedeutete. Der Bär war eines der Totemtiere unserer germanischen oder keltischen Vorfahren. Er ist ein Vegetationsgeist, der die Kraft des Winters bricht und Frühling und Fruchtbarkeit bringt. Er verkörperte sich außer in dem Tier auch in verschiedenen Pflanzen, die seinen Namen tragen: Bärwurz (Meum athamanticum), Bärlauch, Bärenklau oder Bärlapp. Indem man sie aß, konnte man sich die Kraft des Totemtieres einverleiben.

Es heißt auch, dass der Bär nach dem Ende seines Winterschlafes, wenn er hungrig und entkräftet ist, um seine Verdauung wieder in Gang zu bringen, Bärlauch frisst. Das ist plausibel. Der Bärlauch ist eine ausdauernde krautige Pflanze, ein Zwiebelgewächs. Die Zwiebel ist ausgesprochen schlank, schmal und 2 bis 5 cm lang. Es wachsen in Allgemeinen 2 grundständige Blätter daraus hervor, manchmal nur eines oder auch drei. Die Blattstiele sind 2 bis 5 cm lang und verbreitern sich dann zur Blattspreite, die bis 5 cm breit werden kann und elliptisch-lanzettlich geformt ist. Das Blatt ist oberseits glänzend, unterseits matt, oberseits dunkler im Grün als unterseits. Sie treiben früh im Jahr aus, im März – ich bin gespannt, wann sie in diesem Jahr erscheinen: Die ersten kleinen Spitzen habe ich schon (am 12.2.) entdeckt.

Die Blüten erscheinen im April und Mai. 6 bis 20 Einzelblüten sitzen in einer Scheindolde auf einem dreieckigen bis runden Stiel. Sie bestehen aus 6 lanzettlichen bis abgerundeten rein weißen Blütenhüllblättern, ebenso vielen grünen Staubblättern und einer grünen, dreigeteilten Narbe. Aus den Blüten entwickeln sich bis zum Sommer kugelige Samenkapseln, aus denen kleine nierenförmige schwarze Samen fallen. Wenn die Samen reif sind, kippt der Stängel um. Die Pflanze zieht ihre oberirdischen Teile dann ein. Im Hochsommer finden Sie nichts mehr vom Bärlauch. Der Bärlauch vermehrt sich hauptsächlich durch Samen. Brutzwiebeln sind selten. 1 m² Bestand bildet in einem Jahr ca. 9.000 Samen. Die Blüten werden von Bienen und Hummeln und auch von Fliegen angeflogen. Bärlauch ist ein Kaltkeimer, d.h. die Samen müssen eine Frostperiode erlebt haben, ehe sie keimen. Die Keimdauer beträgt 2 Jahre. Der Bärlauch ist in ganz Europa außer den mediterranen Gebieten und der ungarischen Tiefebene beheimatet sowie in Nordasien, Kleinasien und im Kaukasus. In manchen Gegenden ist es sehr verbreitet, in anderen dafür im Bestand gefährdet. Er liebt schattige, feuchte, humus- und kalkreiche Standorte, Auwälder, Laubwälder, von Büschen begleitete Bachläufe, waldnahe Wiesen. Er ist ein Nährstoffanzeiger.

Ehe Sie sich aufmachen, Bärlauch zu sammeln, prägen Sie sich bitte seine Gestalt sehr gut ein und auch die der Pflanzen, mit denen er verwechselt werden kann. Es handelt sich dabei um den Gefleckten Aronstab und das Maiglöckchen auf Waldstandorten und die Blätter der Herbstzeitlose auf waldnahen Wiesen. Alle drei Pflanzen sind giftig! Verwechselungen können also unangenehme Folgen haben. Achten Sie besonders auf die Blattformen, die Länge der Blattstiele sowie die Art, wie die Blätter aus dem Boden kommen: Beim Maiglöckchen umhüllen sie einander. Der Knoblauchduft ist nur begrenzt hilfreich. Wenn Sie ein paar Blätter gepflückt haben, riechen auch Ihre Finger nach Knoblauch; und dann scheinen alle Blätter diesen Duft zu haben.

Dass der Bärlauch in der Küche wunderbar zuzubereiten ist, ist inzwischen kein Geheimtip mehr. Verwendet werden hauptsächlich die Blätter, aber auch Knospen und Zwiebeln. Achten Sie beim Sammeln auf die Schonung der Bestände!

Bärlauch enthält Flavonoide, die Prostaglandine A, B und F, Vitamin C, Mineralsalze und Spurenelemente (Eisen, Magnesium und Mangan), Vitamin B1 und B2 sowie reichlich schwefelhaltige ätherische Öle. Sie sind für den ausgeprägten Duft verantwortlich.

Der Bärlauch gilt als Eisen-Einschleuser-Pflanze, d.h. dass er hilfreich ist bei einem gestörten Eisenstoffwechsel. Er ist außerordentlich wirkungsvoll bei Bluthochdruck und Arteriosklerose, auch zum Vorbeugen. Er unterstützt Magen, Leber und Galle, regt den Stoffwechsel an und dient darum als belebende Frühjahrskur (was eben auch der Bär weiß). Er hilft bei Gärungsdyspepsie und ist sogar in der Lage, Schwermetalle auszuleiten. Es lohnt sich also, ihn in der Zeit, in der Mutter Natur ihn uns zur Verfügung stellt, auch zu nutzen – und dann auch dafür zu danken.