Heilpflanzen

 

Original book source: Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany, Permission granted to use under GFDL by Kurt Stueber. Source: www.biolib.de

Haselwurz
Botanischer Name: Asarum europaeum, aus der Familie der Osterluzeigewächse (Aristolochiaceae)

von Bff (Eigenes Werk), via Wikimedia Commons

In diesem Monat stelle ich Ihnen eine Pflanze vor, die Sie sicher schon gesehen, aber nicht wirklich beachtet haben. Sie ist in unserer Gegend häufig, vor allem auf der Alb in den lichten Buchenwäldern zu finden.
Die Haselwurz, oder Gewöhnliche Haselwurz, hat viele volkstümliche Namen: Brechwurz, Haselmönch, Drüsenkraut, Hauswurz, Schlangenwurzel, Hexenrauch, Pfefferkraut, Weihrauchkraut, Hasenöhrleich, Mausohr, Leberkraut ..., um nur einige zu nennen.

Algirdas at the Lithuanian language Wikipedia, via Wikimedia Commons

Der Name rührt wohl daher, dass die Pflanze gern unter Haselsträuchern wächst. Und sie mag feuchten, nährstoffreichen, kalkhaltigen Boden und Schatten – da bieten die Buchenwälder der Alb die idealen Bedingungen. Die Haselwurz ist immergrün, ausdauernd und wird maximal 10 cm hoch. Die glänzenden herz- oder nierenförmigen Blätter sind alles, was man von ihr zu sehen bekommt, wenn man nicht weiß, wo man suchen muss. Sie blüht im März und April. Wenn Sie ihr begegnen, machen Sie sich die Mühe und bücken sich zu ihr hinunter und schauen mal unter die Blätter. Dann finden Sie die braun-violetten Blüten, ganz tief im Dunkel, höchst ungewöhnlich für eine Blütenpflanze, suchen doch Blüten sonst eigentlich immer das Licht.

von Bernd Haynold (Eigenes Werk), via Wikimedia Commons

Die Aufnahmen der Blüte zeigen sehr gut den besonderen Charakter der Pflanze. Sie hat beinahe etwas Tierisches. Haselwurz vermehrt sich über Samen und Wurzelschößlinge. Die Samen werden von Ameisen verbreitet. Bestäuben kann sich die Blüte selbst; sie wird aber auch von Insekten bestäubt. Sie bildet ein Rhizom als Überdauerungsorgan aus, das pfeffrig riecht.
Der Name verrät, dass die Wurzel/das Rhizom der Teil ist, der medizinisch genutzt wurde. Und die vielen volkstümlichen Namen verraten auch, wofür sie benutzt wurde: zum Räuchern, als Heilmittel für die Leber, als Brechmittel, um die Menstruation in Gang zu bringen, als Abtreibungsmittel, gegen Verstopfung und Kopfschmerzen. Sie ist gut, um zähen Schleim in den Bronchien zu lösen und bei Asthma bronchiale. Aber die Dosierung ist schwierig. Also bitte keine Selbstversuche! Die gepulverte Wurzel war Bestandteil des Schneeberger Schnupftabaks.
Eine weiße Wurzel – die schwer zu bekommen ist, da die Wurzeln meist braun sind – als Amulett getragen, galt als Verhütungsmittel.
Die Wurzel enthält ätherisches Öl, Asaron und Phenylpropanderivate. Es gibt verschiedene Chemotypen, die kaum bis ziemlich giftig sind.
Halten Sie beim Osterspaziergang mal nach der Haselwurz Ausschau!