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Heilpflanzen

 

Scharbockskraut, Ficaria verna
Botanischer Name: Ranunculus ficaria L.

Das Scharbockskraut, auch Feigwurz oder Frühlings-Scharbockskraut genannt, ist eine Pflanzenart in der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Der deutsche Name leitet sich von Scharbock (= Skorbut) ab, da seine Vitamin-C-haltigen Blätter gegen diese Mangelerscheinung eingenommen wurden.
Das Scharbockskraut ist eine mehrjährige, krautige, frühjahrsgrüne Pflanze mit auffällig großen, sternförmigen gelben Blüten. Die Sprossen werden 10 bis 20 cm lang; von ihnen zweigen die recht langen Blattstiele ab, die am Ende einfache herz- oder nierenförmige Blattspreiten tragen, oft mit gekerbtem Rand. Die Stängel sind hohl.
Das bei uns heimische Scharbockskraut kommt in Mittel- und Nordeuropa vor, wobei es den äußersten Norden meidet, sowie in Nordafrika und Kleinasien. Es wächst in feuchten Wiesen, Gebüschen, Hecken und Laubwäldern, wo es blüht, ehe das Laubdach sich schließt, also im März und April. Im Mai zieht es schon wieder ein: Die Blätter vergilben und verschwinden dann.

Ranunculus ficaria L.

Die Pflanze bildet kleine Brutknöllchen, sog. Bulbillen, aus: weiße, etwa getreidekorngroße Knöllchen, die vor allem in den Achseln der unteren Blätter entstehen, zu Boden fallen und später sich zu neuen Pflanzen entwickeln. Sie können durch Regenwasser verbreitet werden oder durch Ameisen und andere Tiere. Die auffälligen Blüten werden durch Insekten bestäubt, vor allem durch Bienen. Wird ein Samenkorn vom Wind weit weggeweht, so fehlt ihm die Energie, um am neuen Ort eine vollständige Pflanze zu bilden. Im ersten Jahr kommen darum nur wenige kleine Blättchen zum Vorschein, die eine Wurzelknolle mit Hilfe des Sonnenlichts auftanken – die feigwarzenähnlichen Knollen dienen als Stärkespeicher und werden mittels Photosynthese »betankt«. Im folgenden Jahr kann dann der vollständige Zyklus mit Blüten und Bulbillen stattfinden, und die Pflanze bildet allmählich dichte Polster.

Ranunculus ficaria L.

Die Blüten können drei bis fünf Zentimeter Durchmesser erreichen und tragen acht bis elf Kronblätter. Sie leuchten weithin, damit auch ja die potentiellen Besucher und Bestäuber auf sie aufmerksam werden. Der Tisch ist übrigens gedeckt von 9 bis 17 Uhr, dann schließen sich die Blüten wieder.
Das Zeitfenster seiner Blüte teilt das Scharbockskraut mit den Veilchen und Anemonen, die auch im Laubwald wohnen und blühen, ehe sich das Laubdach über ihnen schließt und kein Sonnenlicht mehr den Waldboden erreicht.
Volkstümliche Namen sind Ankeblümli (Anke = Butter), Butterblätter (wegen der fettglänzenden Oberfläche der Blätter), Pfennigsalat, Bodenglitzerli, Schmalzsternlein. Die alten Kelten nannten es Gian (= Sonne).
Das Kraut wächst gerade zur rechten Zeit. Es bietet uns die ersten Frühjahrsvitamine. Es enthält verschiedene Vitamine, besonders reichlich Vitamin C, Gerbstoffe und Mineralstoffe. Wenn der Winter zu Ende geht und Haut und Knochen durch Mangel an Sonnenlicht und Vitaminen leidet – besonders in früheren Zeiten, als es im Winter nur Eingelagertes gab -, dann »schlich einst der garstige Scharbock über Stadt und Land. Wer von diesem Krankheitsdämon befallen wurde, litt an Müdigkeit und Muskelschmerzen. Der Gaumen blutete, die Haut wurde rau, hatte keine Spannkraft, und die Knochen wurden weich.« (Wolf-Dieter Storl, Die Seele der Pflanzen, Stuttgart 2009) Hier bringt das Scharbockskraut Hilfe in der Not.
Die Blätter schmecken frisch-pfeffrig. Sie können als Beigabe im Salat gegessen werden oder anstelle von Peterling oder Schnittlauch auf die Suppe oder das Gemüse gestreut. Die Blätter sollen aber nur vor der Blüte gesammelt werden, da sie hernach leicht giftig werden, da die Pflanze dann Protoanemonin bildet. Das verändert auch den Geschmack: Die Blätter schmecken dann eher bitter. Wenn man die Blätter trocknet, verwandelt sich das Protoanemonin in das ungiftige Anemonin.
Die Speicherknöllchen, die dem Kraut den Namen Feigwurz verschaffen, heißen auch Mäusebrot – einleuchtend, nicht wahr? – oder Pfaffenhödlein, Rammelhödlein, testiculus sacerdotialis für die Gebildeten. Der Name Feigwurz erinnert nicht an die heute unter dem Namen bekannten Feigwarzen, sondern an Hämorrhoiden, und die Knollen verarbeitete man früher zu einer Salbe gegen dieselben. Sie enthalten ein Alkaloid, das adstringierend wirkt und die Krampfadern schrumpfen lässt.

Ranunculus ficaria L.

Diese Pflanze mit den sonnenhaften Blüten ist auf jeden Fall ein Überlebenskünstler. Dafür sprechen die komplizierte Zwei-Wege-Vermehrungsstrategie (geschlechtlich und vegetativ) sowie die frühe Blütezeit. Und sie macht uns gute Laune mit ihren leuchtenden Blüten – Dank sei ihr dafür.