Heilpflanzen

 

Virginische Zaubernuss
Botanischer Name: Hamamelis virginiana L., (aus der Familie der Zaubernussgewächse (Hamamelidaceae)

Die Zaubernuss ist bei uns nicht heimisch, sondern an der Ostküste Nordamerikas bis hinunter nach Mexiko. Sie ist bei uns aber eingebürgert als Zierstrauch. In vielen Gärten und Parks sieht man sie – gerade jetzt: Sie ist nämlich eine der wenigen Pflanzen, die im Winter blühen. Auf Englisch heißt sie witch hazel. Weitere deutsche Namen sind Zauberhasel oder Zauberstrauch. Was ist an dem Strauch so zauberisch? Dass er im Winter Blüten treibt? Mit der Haselnuss ist der Strauch jedenfalls nicht verwandt, auch wenn die Blätter ähnlich aussehen.

Die Zaubernuss ist ein Baum, der bis 6 m hoch werden kann. Er braucht gute Gartenerde, nicht zu nährstoffreich, und einen sonnigen Platz. Er kann über Stecklinge vermehrt werden oder über Samen. Die Blüten sind frostfest. Bei ungünstigem Wetter rollen sie sich einfach ein. Der botanische Name Hamamelis ist den weiblichen Leserinnen vielleicht aus der Kosmetik bekannt. Tatsächlich gibt es ganze Pflegeserien mit Hamamelis-Wasser. Aber von vorn.

In ihrer Heimat ist die Zaubernuss bei den indigenen Völkern als Heilmittel sehr verbreitet. Verwendet werden die Rinde von Zweigen und Wurzeln und die Blätter. Sehr dünne Zweige können auch im Ganzen verwendet werden. Sie werden im Frühjahr bis Herbst gesammelt und getrocknet oder sofort verarbeitet. Wenn Du einen Strauch im Garten hast, kannst Du die Zweige verwenden, die Du nach der Blüte möglicherweise ohnehin ausschneidest, wenn der Baum einen Schnitt nötig hat. Die Cherokee verwenden Aufgüsse als Schmerzmittel, bei Erkältungen und Hautverletzungen, die Irokesen zusätzlich auch in der Gynäkologie (z.B. bei zu starker Menstruation) und als Brechmittel. Warum? Die Zaubernuss enthält verschiedene Gerbstoffe (u.a. Hamamelistannin), die zusammenziehend wirken, ätherische Öle, die antiseptisch und entzündungshemmend wirken, außerdem Flavonoide und Harze. Die Pflanze wirkt somit blutstillend, abschwellend, dichtet Haut und Schleimhäute ab. Die gesammelten Pflanzenteile lassen sich als Aufguss (Tee) oder als Tinktur zubereiten oder destillieren. Wenn Du eine Destille hast, kannst Du Dir Dein Hamamelis-Wasser selbst herstellen: Weiche die getrocknete oder frische Rinde/Zweigstückchen in Wasser ein, mazeriere sie 24 Stunden und destilliere sie dann aus dem Einweichwasser. Ich weiß nicht, wie haltbar Hamameliswasser ist. Die Produkte im Handel enthalten immer Alkohol. Wenn Du sicher gehen willst, füge ein wenig Ethanol zu. Aber nimm wenig. Alkohol trocknet die Haut aus.

Du kannst Hamamelis auch zu Tinktur verarbeiten: Zweige, Rinde und Blätter fein zerkleinern und mit 60 %-igem Alkohol ansetzen, mindestens zwei, besser vier Wochen stehen lassen, dann abfiltern und in kleinen dunklen Fläschchen aufbewahren.

Das Hamameliswasser kann dann auch in eine Salbengrundlage eingearbeitet werden, ebenso die Tinktur.

Das Wasser kann bei geplatzten Äderchen eingesetzt werden, event. auch bei Neurodermitis. Die Salbe wirkt bei Krampfadern, Hämorrhoiden und Verletzungen. Eine Abkochung, verdünnte Tinktur oder starker Aufguss kann bei Entzündungen im Mundraum, am Zahnfleisch, bei Halsentzündung oder Entzündungen in der Vagina (Tampon tränken!) wirksam sein. Umschläge sind hilfreich bei Verletzungen, Hämorrhoiden, Krampfadern, Verbrennungen, Verstauchungen und Prellungen. Die Tinktur, innerlich und äußerlich angewendet, stärkt die Venen. Mit Hamameliswasser, das Alkohol enthält, würde ich nicht in der Scheide behandeln.

Es gibt auch Präparate mit Hamamelis, besonders aus der anthroposophischen Medizin. Anwendungsbereiche sind Vorbeugung von Thrombosen, Venenschwäche und Hämorrhoiden, Krampfadern, Durchblutungsstörungen, müde Beine, Magenschleimhautentzündung und Durchfall.

Traditionell wird der Zaubernuss Venus zugeordnet. Ich finde aber, dass sie auch deutlich etwas Sonniges hat. Und so passt sie zur Lichtmess-Zeit.