Heilpflanzen

 

Marrubium vulgaris

Gewöhnlicher Andorn
Botanischer Name: Marrubium vulgare L., (aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae)

Der Gewöhnliche Andorn ist die Heilpflanze des Jahres 2018. Er spielt in der Medizin zu Unrecht nur noch eine unbedeutende Rolle – vielleicht hilft ihm die Prominenz der Wahl zur Heilpflanze des Jahres, wieder mehr Interesse zu finden. Ich wünsche es ihm.

Andorn ist im ganzen Mittelmehrraum einschließlich Nordafrika weit verbreitet. Durch den frühen Heilpflanzenanbau in Mittel- und Nordeuropa wurde er dort eingeführt und verwilderte auch. Er gilt als Archäophyt. Er kommt bis Südschweden und Südschottland vor. Auch nach ganz Amerika und Australien wurde er verschleppt. Seine Geschichte reicht weit zurück, in Mitteleuropa nachweislich bis in die Jungsteinzeit. Andorn gehört zur sogenannten Ruderalflora. Das heißt, er besiedelt Schuttflächen, Ackerraine, Wegränder, Brachflächen. Er liebt sonnige Standorte, die ruhig trocken sein dürfen. Tatsächlich ist er selten zu finden. Im Garten gedeiht er gut.
Man sät ihn im Frühjahr. Im Sommer kann man Stecklinge schneiden und bewurzeln lassen.

Andorn ist eine ausdauernde Pflanze. Sie wird 60 bis 80 cm hoch. Er blüht von der Sommersonnenwende bis in den Herbst hinein. Er blüht auch nach der Ernte ein zweites Mal. Verwendet werden die Blüten, die Blätter und oberen Sprossenden.

Die Inhaltsstoffe sind Gerbstoffe, Saponine, ätherisches Öl, Glykosid, Diterpen, Cholin, Kalium, Kalzium und der Bitterstoff Marrubiin. Das Kraut wirkt magenstärkend, hustenstillend, schleimlösend, harntreibend, stopfend (bei Durchfall) und appetit- und verdauungsanregend.
Der Name Marrubium ist aus dem Hebräischen abgeleitet und bedeutet „bitterer Saft“. Andorn gehört zu den Bitterkräutern, die zu Pessach gegessen werden.
Volkstümliche deutsche Namen sind Brustkraut, Dorant, Appelkraut, Alte Weiber, Berghopfen, Lungenkraut.
Marrubiin regt die Leber an und fördert die Sekretion der großen Drüsen und der Schleimhäute der Atemwege. Die Pflanze hat sich bei Gallenbeschwerden bewährt, da sie den Gallenfluss verstärkt. Auch die Produktion von Magensaft wird vermehrt.

Marrubium vulgare — Flora Batava — Volume v9

Andorn entspannt die glatte Muskulatur der Bronchien. Da er gleichzeitig die Schleimhäute zu mehr Sekretion aktiviert, hilft er auch, Schleim zu lösen. Das Kraut kann darum bei Keuchhusten eingesetzt werden sowie bei Asthma, um festsitzenden Schleim zu lösen. Auch für alte Menschen mit chronischem Husten ist das Kraut gut. Es kann als Tee, Tinktur oder Sirup eingesetzt werden. Alten Menschen, die keinen Appetit mehr haben, oder Magersüchtigen hilft das Kraut, wieder Lust zum Essen zu entwickeln. Das Kraut verhilft dazu, Bitterkeit körperlich zu erfahren, wo sie gebraucht wird, und nicht auf der Seelenebene.

Andorntee mit Honig gesüßt wurde von den alten Heilkundigen gegen Schwermut empfohlen, gegen Schwächezustände, gegen Durchfall und gegen Herzrhythmusstörungen.
Last but not least kann das Kraut als Chinin-Ersatz dienen, wenn Chinin nicht vertragen wird oder verfügbar ist.

Für den Tee übergießt man 1 TL getrocknetes Kraut mit ¼ Liter kochendem Wasser und lässt 10 Minuten ziehen. Dann abseihen.
Kräuterwein nach Hildegard von Bingen:
10 g Andornkraut
30 g Fenchelsamen
30 g Dillkraut
30 g Königskerzenblüten
in 1 Liter süßem Weißwein 5 Minuten kochen lassen, abseihen.

3 Gläschen täglich bei Grippe, Erkältungen und zur Vorbeugung.

Wenn es um Erkrankungen der Atemwege geht, kann der Tee gesüßt werden. Wenn die Verdauung und der Appetit angeregt werden sollen, soll der Tee bitter getrunken werden, da die Drüsen auf den bitteren Geschmack reagieren.

573 Marrubium vulgare

Wenn du im Sommer einen Steckling haben möchtest, schreibe mir.
Ich habe zwei prächtige Pflanzen im Garten.